Sonderkonzert | Konzerte in Wittgenstein
"Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach
Beeindruckendes Konzert zum Auftakt der Bad Berleburger WeihnachtsZeitreise
Bad Berleburg. (cw) Bürgermeister Bernd Fuhrmann nannte zur Eröffnung der fünften Bad Berleburger WeihnachtsZeitreise die Vorbereitungen einen enormen Kraftakt für alle Beteiligten. So erging es auch den Mitwirkenden des Auftaktkonzertes, dem Bach'schen Weihnachtsoratorium in der Berleburger Stadtkirche.
Nicht ihr Können oder Wollen sind hier in Frage gestellt, das bewiesen sie mit Bravour vor großem Publikum. Doch die Proben, die Organisation und das Arrangement bedeutet bei derartigen Vorhaben äußerste Akribie und hervorragende Dialoge und Kommunikation.
Peter Metzger, einstiger Studienrat für Musik und Englisch am JAG Bad Berleburg, hat nichts an dieser Aktivität im Laufe seiner jahrzehntelangen Musikertätigkeit eingebüßt. Ein jeder in seinem Vokalensemble "Cantamus" spürt die Liebe, seinen Enthusiasmus und das Gefühl der völligen Involviertheit im Bach'schen Werk. Er ist ein Liebhaber des barocken Komponisten und brachte mit Organisation der Berleburger Kulturgemeinde nun zum dritten Mal nach 1984 und 1993 eines der schönsten Chorwerke des evangelischen Kirchenkomponisten in Berleburg zu Gehör.
Das Ensemble, das in seiner Urform mit 14 Sängern auf der Bühne steht, erweiterte sich mit Gästen auf 25 stimmgewaltige Kehlen. Acht Sopranistinnen, acht Altistinnen, vier Tenöre sowie fünf Bässe widmeten sich den Oratoriumsteilen eins, drei und sechs mit Chören und Chorälen. Begleitet wurden sie orchestral von den "Camerata instrumentale" aus Siegen, Hartmut Weidt am Cembalo und den Solisten Sandra Diehl (Sopran), Ruth Zetzsche (Alt), Arno Bovensmann (Tenor) und Albert Zetzsche (Bass).
Auch in abgespeckter Orchesterform kam die Heiligkeit des Werkes zum Tragen, erreichte in Rezitativen, Arien und Duetten in seiner Erzählform Gebetscharakter. Die Künstler durchwoben jeden Winkel des Kirchengebäudes mit der Schönheit der von Bach mit himmlischen Melodien versehenen, feierlichen Eröffnungs- und Schlusschöre der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte. Sie legten mit Inbrunst und Überzeugung die Geburt Christi als größte Freude der Menschheit vor und überzeugten das Publikum von der Einzigartigkeit des Geschehens vor 2010 Jahren in Bethlehem.
Die zahlreichen Aktiven haben in den unterschiedlichen Darstellungsformen durch Choräle oder Rezitative eine Brücke zur Gemeinde geschlagen. Lupenrein und in aller Deutlichkeit überbrachten die Solisten in den Arien ein Stück subjektiven Verständnisses, das vom einzelnen Zuhörer wohlwollend, individuell und entspannt dankend angenommen wurde.
Huldvolles Handeln in den Arien und Rezitativen bildeten mit Blick auf die spartanische Krippe des Jesukindes im Stall zu Bethlehem mit euphorischem "Jauchzet, frohlocket ..." freudigen Kontrast zur Geburt und Fleischwerdung des Sohnes Gottes. Und dies ist in Berleburg ganz unmissverständlich als die Botschaft anerkannt worden, die die Menschheit rund um den Erdball zu innerem Reichtum und zum Festhalten am Geiste Gottes in der Gesamtschöpfung anhält.
"Cantamus", die Solisten, "Camerata instrumentale" und der alte Meister am Dirigentenpult, Peter Metzger, bereiteten die wohl erhabensten Stunden der fünften Berleburger WeihnachtsZeitreise. Dankbar, mit nicht enden wollendem Applaus gingen die begeisterten Zuhörer in den zweiten Teil der Adventszeit.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 13.12.2010
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


