Internationale Musikfestwoche 2011

Sommernacht wie in Venedig

Musikalisches, optisches und kulinarisches Vergnügen unter freiem Himmel im Schlosshof

Die fünf Bläser der Stuttgarter Kammersolisten Christof Skupin, Sebastian Zech (beide Trompete), Michael Nassauer (Horn), Matthias Nassauer (Posaune) und Herbert Waldner (Tuba). (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) "Die linden Lüfte sind erwacht ...", nicht ganz die richtige Jahreszeit für den 9. Juli, was Joseph von Eichendorff in seinem Frühlingsgedicht umschrieb. Dennoch waren die moderaten Temperaturen wie beim Himmel bestellt für ein zauberhaftes Konzertunterfangen unter freiem Himmel.

Es hätte nicht besser sein können. Der Schlosshof außerordentlich gut gefüllt mit erwartungsfrohen Musikfreunden, das Ambiente traumhaft schön, die Menschen selig, das Kulinarische prima durchdacht, und zwar, wie sollte es anders sein, nach italienischer cuisine.

Bei so viel hervorragendem Drumherum darf natürlich nicht das Eigentliche, Wesentliche ins Hintertreffen geraten. Die Musik war erlesen. Herausragende Interpreten bereiteten sich diesmal nicht den Platz im Schlossfoyer, sondern am "Brunnen vor dem Tore". Das Bläserensemble "Stuttgarter Kammersolisten" traf gemeinsam mit dem musikalischen Festivalleiter Luz Leskowitz eine ausgewogene und dem historischen Rahmen entsprechende Auswahl. Abendmotto war hier "Venezia con fuoco". Mit guter Fantasie gelang es dem Auditorium, sich auf den Platz vor San Marco zu versetzen und den sensiblen Harfentönen von Emilie Jaulmes, Solo-Harfenistin der Stuttgarter Philharmoniker, zu lauschen. Für das menschliche Ohr sind die Melodien der Variationen von Elias Parish Alvars aus Bellinis Oper "Norma" ein Hörgenuss. Zwei Turmfalken machten just über Emilie Jaulmes Jagd auf eine Krähe und riefen damit einige Publikumslacher hervor.

Italien ohne Vivaldi geht überhaupt nicht und so erhielt der grandiose Komponist, der eigentlich Priester und Lehrer an einer Mädchenschule war, ohne dem Zölibat besonders zugetan zu sein, einen hohen Stellenwert im konzertanten Bläserteil des Abends. Von ihm erklangen durch das Bläserensemble das Konzert für zwei Trompeten und Blechbläser, das Konzert für Blechbläser op. 3 Nr. 9 und die Sonata.

Es ging nicht nur quer durch die Jahrhunderte und diverse Musikepochen, die Musiker wählten an dieser Stelle Komponisten, die in irgendeiner Form mit Italien in Verbindung stehen. Entweder hatte der eine oder andere Zeit seines Lebens dort verbracht, hatte verwandtschaftliche Beziehungen dorthin oder reiste mit großem Vergnügen durch den Stiefel.

In den Konzertpausen trieb der Stelzenmann mit dem Publikum Schabernack. (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Michael Nassauer ist Hornist des Ensembles, angestellter Bläser der Philharmonie Südwestfalen, und gewiefter Moderator, der mit schneller Zunge und Wortwitz zu Wilhelm Posses "Karneval in Venedig", Tomaso Albinonis "Sonata San Marco", Giovanni Gabrielis "Canzon" oder auch zu Nino Rotas Filmmusiken, Giuseppe Verdis Triumphmarsch aus "Aida", zu Rossini, Franz Léhar und Jacques Offenbach, stets den richtigen vokalen, verbalen Ton traf.

Die Melodien waren allen sehr gut bekannt und es machte Freude im Schein der Fackeln, bei indirekter Schlossbeleuchtung und Kerzenschimmer, duftenden italienischen Gaumenfreuden das Gehör zu schenken.

An alles war gedacht, sogar an das Vergnügen, die "Füllsel" in den Pausen. Ein spaßiger Stelzenmann trieb Schabernack mit dem Publikum und bei hereinbrechender Dunkelheit ging's dann feurig zur Sache, halt "Venezia con fuoco", als ein Feuerjongleur ein Gänsehautgefühl provozierte. Ein Abend mit Wohlgefühl für Auge, Ohr und Gaumen, mit netten Menschen und bei Wein und Bläserklang fand um Mitternacht unter schallendem Applaus ein heiteres Ende.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 11.07.2011
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)


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