Schlosskonzert
"Trio d'Este" plus Violine und Cello
ließen das Publikum in herrlichen Melodien schwelgen
Pure Freude: Absoluter Goldgriff im alten Gemäuer
Bad Berleburg. (cw) Die Harfe als nahezu ältestes Musikinstrument hat auf Schloss Berleburg schon vielfach die Gemüter bewegt und zu großer Begeisterung hingerissen. Das "Trio d'Este" verstand nun mit Violine und Cello, die das Ensemble komplettierten, das Publikum in herrlichen Melodien schwelgen zu lassen.
Die kreativen Köpfe der Kulturgemeinde legen stets allergrößten Wert nicht allein auf musikalische Qualität, sondern sind in höchstem Maße darum bemüht, Künstler sehr guten Leumundes und ästhetischer Präsentation in das alte Gemäuer zu holen. In diesem Falle ein absoluter Goldgriff.
Manuela Randlinger (Harfe), Felicitas Stephan (Cello) und Halina Deutschmann (Violine) brachten ein Flair eleganter Weiblichkeit in den Saal. Allein die Anfangsakkorde der Sonate in g-moll von J. S. Bach weckten im Zuschauer fantasievolle Bilder.
Die sympathische Kombination der Instrumente ließen Bilder eines Kinderspielplatzes vorüberziehen, wobei den szenischen Ideen keine Grenzen gesetzt sind. Im Original war es als Flötenensemble gedacht, doch die instrumentale Umbesetzung bewies grandioses Know-how.
"Trio d'Este" begannen im Zeitalter des Barock und tasteten sich zur Pause hin langsam über das "Ricercata" des Italieners Giovanni Bendetto Platti (1697 - 1763) zu den "Images", hier die 3. Suite für Harfe solo des Franzosen Marcel Tournier (1897 - 1951), in die europäische Moderne. Alles bis dahin Erklungene trug einen Hauch Enthusiasmus, pure Freude, Wohlwollen und Huldvolles. Abwechselnd trugen sich die drei Instrumente in unterschiedlicher Dominanz der jeweiligen Werke durch den Abend.
Die Musikerinnen gaben jede für sich Informationen zu Werken und begründeten explizit die Ursprünglichkeit, sowohl wie das Rätselraten um die Komponistenfamilie Bach. Insiderwissen, das nur gewieften Musikerkreisen bekannt ist, hielt mit Halina Deutschmanns Ausführungen Einzug in das Wissensspektrum der Konzertbesucher im Schloss.
Die weniger bekannten Schöpfer italienischer und französischer höfischer Musik erlangten an diesem Abend äußerste Beliebtheit. Plattis und Tourniers weich fließende Klänge hauchten der Atmosphäre Gediegenes ein.
Zeitgenossen, denen die Melodien des Schweizer Harfenisten Andreas Vollenweider bekannt sind, können ansatzweise den relativ unbekannten Tournier hier nachvollziehen. Multiple Klänge mischten sich und ostasiatische Töne erklangen hier Saite an Saite mit Slawischen.
Maurice Ravel (1875 - 1937) mit "Pavane pour une infante défunte" und Jacques Ibert (1890 - 1962) mit "Deux interludes" waren beide stark geprägt vom musikalischen Impressionismus, was im akustischen Erscheinungsbild eine Gegenrichtung der Harmonie interpretieren lässt. Die spanische Klangrichtung, die sie mit beiden Stücken einschlugen, legen eine gewissermaßen musikalisch-therapeutische Note auf die leidende Seele und erzielen mit dem gekonnten Bogenstrich von Geige und Cello Fantasien der Arbeit von Nadel und Faden, die das verletzte Gemüt repariert.
Mit dem Autodidakten Luigi Maurizio Tedeschi (1867 - 1937) setzten "Trio d'Este" einen erhabenen Schlussakkord und durften aufgrund des begeisterten Applauses nicht eher das Foyer verlassen bis sie mit J. S. Bachs Sonate in Es-Dur "Die Sizilianische Nacht" das Programm liebevoll abrundeten. Die drei Musikerinnen, die sich aus Wuppertal (Manuela Randlinger), Opherdicke (Felicitas Stephan) und Dresden (Halina Deutschmann) zusammengefunden haben, sind alle mit reger Orchestertätigkeit bekannt geworden und haben sich durch Meisterkurse, in diversen Ensembles und Sinfonieorchestern hohe Ränge erspielt.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 10.05.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


