Internationale Musikfestwoche 2010
38. Internationale Musikfestwoche
in der Odebornstadt ging zu Ende
Zoom in die slawische Seele
Bad Berleburg. (ahe) Auf Schloss Berleburg ist am Sonntagabend die 38. Internationale Musikfestwoche zu Ende gegangen. Die Veranstalter, das sind die Kulturgemeinde Bad Berleburg unter der Schirmherrschaft IKH Prinzessin Benedikte sowie der künstlerische Leiter, der Salzburger Violinist Luz Leskowitz, boten in diesem Jahr fünf Kammermusikensembles sowie einigen Solisten ein Forum der Begegnung.
Der Themenschwerpunkt der diesjährigen Kammerkonzertreihe würdigte die "Slawischen Welten". Viele, besonders junge Musiker sowie die Komponisten, die sie interpretierten, kamen aus slawisch–assoziierten Ländern oder fühlten sich zumindest innerlich der slawischen Seele zugehörig, so dass aus dieser intensiven Begegnung innerhalb von nur einer Woche sechs Konzerte von großer Spielfreude entstanden. Und nicht nur das: Auch Komponisten, die nicht so oft in Konzerten gespielt werden, wie der Petersburger Maxim Sosontowitsch Beresowski oder der Prager Josef Bohuslav Foerster, die allerdings sehr aus dem Fundus ihrer slawischen Wurzeln schöpften, fanden ein Forum bei dieser Musikwoche und lösten Begeisterung bei den zahlreichen Hörern aus. Und das trotz WM! Der letzte Konzertabend war nicht ganz so prall besucht wie die vorherigen, was sicher nur dem bald darauf folgenden WM-Endspiel und den südländischen Temperaturen geschuldet war. Am Programm dieses letzten Abends kann es sicher nicht gelegen haben.
Das Prager Talich-Quartett interpretierte die "Kreutzersonate" von Leoš Janáček kraftvoll und ausdrucksstark, jenes Streichquartett von 1923, das in Anlehnung an die gleichnamige Novelle von Leo Tolstoi entstand. Darin wird die Stellung der Frau, der Ehe und der Liebe am Ende des 19. Jahrhunderts in Russland im Allgemeinen erörtert und die tragische Geschichte einer vermeintlichen Ehebrecherin im Besonderen erzählt. Seine an der tschechischen Folklore und Sprachmelodie geschulten Kompositionen durchdringen das Konflikthafte des Stoffs an den Grenzen des Tonalen.
Im Anschluss stand die Komposition eines Prager Freunds von Janáček auf dem Programm, das Streichquartett Nr. 10 in Es-Dur, op. 51, "Das Slawische" von Antonín Dvořák. Auch hier gelang dem Quartett eine herrliche Interpretation ihres Landsmanns, besonders im dritten Satz, der Romanza – Andante con moto. Spätestens an dieser Stelle musste sich jedem Konzertbesucher der Festwochen die slawische Welt offenbaren. So verwunderte es auch nicht, dass einige in der Pause im Gespräch äußerten, dass sie ergriffen und zum Teil sogar zu Tränen gerührt gewesen seien von diesem Dvořák.
Nach der Pause gesellte sich zum Talich-Quartett der aus Sibirien stammende Pianist Konstantin Maslyuk. Gemeinsam erschlossen sie sich und den Hörern das letzte Werk dieser Kammerkonzertreihe, das Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello in Es- Dur, op. 44, von Robert Schumann. Im Schumann-Jahr war das nicht nur eine Würdigung des vor 200 Jahren geborenen Komponisten, sondern auch ein Ausblick auf alles Kommende.
Das Quintett in fünf Sätzen mit monothematischem Hauptthema und erstaunlichem Tonumfang kam leicht und heiter und wie es die Satzangabe vorsieht, wie ein Allegro Brillante. Clara Schumann notierte über das heute sehr bekannte Quintett, das im Herbst 1842 in nur wenigen Wochen entstand: "Die letzte Woche des Septembermonats ist, was unser äußeres Leben betrifft, sehr still hingegangen; umso mehr aber hat mein Robert mit dem Geist gearbeitet! Er hat ziemlich ein Quintett vollendet, das mir nach dem, was ich erlauscht, wieder herrlich scheint – ein Werk voll Kraft und Frische! – Ich hoffe sehr, es diesen Winter noch öffentlich hier zu spielen." Clara Schumanns Wunsch ging fast in Erfüllung – das Quintett wurde im Januar 1843 uraufgeführt – und wurde ihr anschließend auch noch gewidmet.
Nach diesem beglückenden musikalischen Ende bedankte sich der Vorsitzende der Kulturgemeinde, Otto Marburger, wieder herzlich bei allen Mitwirkenden.

Siegener Zeitung vom 13.07.2010
Bildquelle: SZ-Foto von (ahe)


