Internationale Musikfestwoche
"Festliches Finale"
38. Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg
Bad Berleburg. (cw) Nun ist er verklungen, der letzte Ton der 38. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg. Eine Vielzahl an Künstlern, speziell aus dem slawischen Kulturraum, haben die Publikumsgemüter bewegt, vom pianissimo bis zum forte.
Dem fürstlichen Haus wurde seitens der Kulturgemeinde, die als Veranstalter in jedem Jahr keine Mühen scheut, der allergrößte Dank für die Bereitstellung der Räumlichkeiten gezollt. Ohne diese Freundlichkeit und das enorme Engagement der Salzburger Solisten, die mit ihrem Ensembleleiter Luz Leskowitz nun in das 39. Festwochenjahr starten, ist ein derartiges Festival in einer kleinen Stadt wie Berleburg kaum denkbar.
Das "Talich-Quartett" aus Prag mit seinen Streichern Jan Talich (erste Violine, einer Stradivari von 1729), Petr Macecek (zweite Violine), Vladimir Bukac (Viola) und Petr Prause (Violoncello) ließ den Abschlussabend mit den tschechischen Komponisten Leos Janacek (Streichquartett Nr. 1 - "Die Kreutzersonate") und Antonin Dvorak (Streichquartett Nr. 10 in Es-Dur, op. 51) imposant und dennoch unspektakulär beginnen. Vier Musiker der reiferen Jahrgänge, unscheinbar und seelenruhig, völlig frei von Allüren, zeigten wie Kammermusik ohne Glanz und Glamour funktioniert. Benannt hat sich das 1964 gegründete Quartett nach dem bedeutendsten Dirigenten der Tschechischen Philharmonie, Vaclav Talich, einem Uronkel des derzeitigen Primarius des Ensembles. Seit den 90-er Jahren spielen sie in der aktuellen Besetzung und ernten auf den namhaftesten Weltbühnen, wie auch im kleinen Berleburger Rahmen, grandiosen Applaus für ihr Wirken.
Die Wahl der Organisatoren, "Talich" zum Abschied der Sommermusikreihe erklingen zu lassen, war ein ausgezeichneter Griff. Als Gegenspieler zur lauten Zeit des Sports, monoton dröhnenden Vuvuzelas, und teils kreischenden Fangesängen der abgelaufenen Weltmeisterschaft, bildeten die Streicher ein harmonisch abgerundetes Gesamtprogramm. Und - betrachtet der Zuhörer es mal sportlich - musisch, dieser Abend lief völlig rund alles in allem. Stimmungen und Freundlichkeiten erlebten während der Konzertpause unter den Zuhörern einen regen Austausch. Der Wohlklang so mancher Gespräche schwang hier ein auf das "Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Cello in Es-Dur, op. 44" von Robert Schumann, ein absolutes Muss im 200. Geburtstagsjahr des gebürtigen Zwickauers. Den Part des Klaviers übernahm hier Konstantin Maslyuk, der in Berleburg die vergangenen Tage immer wieder Erstaunen und Bewunderung erntete für sein virtuoses Dahingleiten über das Instrument.
Als dankbares Finale ertönte minutenlanger Applaus der etwa 200 Besucher für die "runde Sache" Musikfestwoche. Gewonnen habe hier alle Beteiligten, und das nicht nur 1:0. Auf der ganzen Linie als Sieger gingen die Musiker heim, die Organisatoren der Kulturgemeinde und der Ideengeber Luz Leskowitz mit seinen Salzburger Solisten, sowie das Haus zu-Sayn-Wittgenstein-Berleburg und jeder einzelne Konzertbesucher. Es hat reich gemacht, im Herzen, an Erfahrung und hat den Akzent gesetzt: in 2011 gibt es wieder so einen Sommerhöhepunkt auf Schloss Berleburg, und zwar vom 4. bis zum 10. Juli.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 12.07.2010
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


