Theater

"Räubergeschichte" vor dem Berleburger Schloss

"Schinderhannes": Kämpfer für Gerechtigkeit oder ein Verbrecher?

  • Im Hunsrücker Gasthof 'Zum grünen Baum' ist sich die Bevölkerung einig: in jedem von ihnen steckt ein 'Schinderhannes'. (WP-Foto: Christiane Weinhold)
  • Open-Air-Theater auf dem Schlosshof von Schloss Berleburg: 'Der Schinderhannes' (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) Historisches in historischer Kulisse hat auf Schloss Berleburg schon reiche Tradition und erfreut sich großer Beliebtheit. Wenn die Kulturgemeinde Bad Berleburg zum "Geschichts- und Literaturunterricht" ruft, kommen stets viele Interessierte, um sich das nicht alltägliche Angebot abzuholen.

Der Mittwochabend stand ganz im Zeichen des Zuckmayer'schen "Schinderhannes" und lockte geschätzte 100 Besucher in die napoleonisch beherrschte Szenerie.

Das engagierte Ensemble, die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker aus Hanau, nimmt sich der Werke in vornehmlich originalgetreuer Aufmachung an. Gespielt wurde in Berleburg in Hunsrücker, also hessischem, sehr gut verständlichem Dialekt. Hier geht die Regie keine sehr großen gestalterischen und bühnentechnischen Experimente ein. Das Schauspiel wird spartanisch mit Requisiten bestückt, allein die Fantasie des Zuschauers wird durch eingespielte Akustik angeregt und die Rückblende auf die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert gelingt in der kühlen Abendluft hervorragend.

Die erdrückende Abgabepflicht an die französische Besatzungsmacht und den deutschen Adel wird für die ohnehin schon ärmliche Bauernbevölkerung immer unerträglicher.

Auflehnung gegen Ausbeutung

Es gibt jedoch einen, der sich gegen die doppelte Ausbeutung auflehnt: Johannes Bückler, auch Schinderhannes (Martin Bringmann) genannt, kämpft mit seinen bewaffneten Freunden Adam (Christoph Maasch), Iltis Jakob (Mario Krichbaum), Zughetto (Franz Wacker), Benzel (Michael Jäger) und Seibert (Gregor Müller) für Gerechtigkeit. Wie einst Robin Hood überfällt der Räuberhauptmann die Reichen und Mächtigen. Das Geld verteilt er dann großzügig unter den armen Bauern.

In Mainz trifft er auf die fahrende Sängerin Julchen (Thordis Howe), die sofort sein Herz erobert. Sie folgt ihm in sein Waldversteck. Er überschätzt jedoch seine Macht, als er schließlich verraten wird und gegen ihn ein Regiment zusammengezogen wird. Die Streitmacht des "Schinderhannes" wird zerschlagen, er selbst muss sich versteckt halten.

Das Leben des Kindes retten

Julchen, die ein Kind von "Schinderhannes" erwartet, verlässt ihn, um das Leben des Kindes zu retten. Die Franzosen locken ihn mit Julchen und dem Kind in eine Falle. So wird seine Liebe dem Schinderhannes zum Verhängnis. Aber die Hinrichtung des Schinderhannes unter dem Fallbeil wird zu einer Demonstration des Freiheitswillens.

Wer war eigentlich jener Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, von dem es bis heute so unterschiedliche Dar- und Vorstellungen gibt? War er nun der Held, der für Gerechtigkeit kämpfte oder war er ein Verbrecher, der raubte und mordete? Die Frage der Sympathie nicht nur für den Hauptdarsteller allein, sondern für das Gesamtensemble, lässt sich mit klarem Votum beantworten. Sie alle haben sich der Thematik in einfühlsamer Hingabe gewidmet - mit Stimmgewalt, großartiger Mimik und geschickter Gestik ein Politikum ausgerollt, das zu allen Zeiten und an allen Orten Gültigkeitsanspruch hat.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 05.06.2010
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)


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