Sinfoniekonzert - Schlosshof-Open-Air 2010

Philharmonie Südwestfalen gab Sonntagabend
Open-Air-Konzert im Schlosshof

Donnergrollen und Vogelzwitschern / Über 100 Besucher

"Wir stehen ein wenig unter Zeitdruck und werden keine große Pause machen,
da es ja auch noch andere Sorgen außer der Musik gibt."
 

Bad Berleburg. (ds) "Was für ein schöner Tag! Nach zwei Jahren spielen wir endlich wieder Open Air!" - mit diesen Worten begrüßte Russell N. Harris, Dirigent der südwestfälischen Philharmoniker, nach einer Ouvertüre von Dmitry Kabalevsky die Gäste. Über 100 Besucher hatten es sich auf den Stühlen im Hof des Berleburger Schlosses bequem gemacht, um den klassischen Klängen der etwa 50 Musiker zu lauschen.

Eineinhalb Stunden lang verzauberte die Philharmonie Südwestfalen unter Chefdirigent Russell N. Harris die über 100 Gäste im Berleburger Schlosshof. (SZ-Foto: Daniela Schmidt)

Und sie wurden nicht enttäuscht: Das lauschige Sommerabendwetter, gepaart mit dem Ambiente und der überzeugenden Akustik des Schlosshofs sowie dem Können der Musiker ergaben im Ganzen einen durch und durch gelungenen Abend. Wieder war es die Kulturgemeinde, die das Orchester an die Odeborn geholt hatte. Dabei bestach die Philharmonie Südwestfalen vor allem durch das vielschichtige Repertoire, das sie ihren Gästen darbot: Von Opernausschnitten aus der Epoche der Romantik wie Pjotr Tschaikowskis "Eugen Onegin" und dem "Danse Macabre" von Camille de Saint-Saens bis hin zu Stücken der Moderne wie dem "Säbeltanz" aus Aram Chatschaturjans Ballett "Gayaneh" unternahmen die Musiker eine Reise durch die klangliche Weltgeschichte.

Jüngere Zuhörer freuten sich besonders, als die Philharmoniker auch auf den bekannten Filmkomponisten Ennio Morricone (berühmt vor allem durch seine musikalische Untermalung des Kinoklassikers "Spiel mir das Lied vom Tod") zurückgriffen. Auch weiteren namhafte Klassikgrößen wie Georg Friedrich Händel und Giacomo Puccini zollten die Instrumenalisten Tribut. Zwischen den einzelnen Stücken ließ Dirigent Russell N. Harris es sich nicht nehmen, gelegentlich auf Besonderheiten der jeweiligen Musik aufmerksam zu machen. Etwa eineinhalb Stunden lang verwandelte die gesamte Berleburger Oberstadt sich in eine rauschende Klangkulisse - mal sanft und leise mit einem sanften Flöten-Vogelzwitschern, dann wieder derart laut und dramatisch mit Pauken-Donnerschlägen und nahezu bedrohlich klingendem Kontrabass-Grollen, dass man meinte, es müsse jeden Moment eine mittlere Katastrophe auf den Schlosshof herein brechen.

Entsprechend angetan zeigten sich die Besucher, die in den kurzen Verschnaufpausen zum Teil minutenlang applaudierten. Nicht wenige ließen sich vor allem von den emotional geladenen Opern-Ausschnitten mitreißen - je nach gerade gespieltem Stück spiegelten sich mal Zufriedenheit und Glück, dann wieder Trauer und Bekümmertheit in den Gesichtern des Publikums, hervorgekitzelt allein durch die vorgetragene Musik.

Anders als erwartet handelte es sich bei dem Open-Air-Sinfoniekonzert aber nicht nur um einen Ohren-, sondern tatsächlich auch um einen Augenschmaus: Russell N. Harris, Chefdirigent seit 2003 und zuvor unter anderem in Skandinavien und Kanada tätig, ließ sich selbst derart von den Klängen seiner Schützlinge mitreißen, dass man gelegentlich befürchtete, er würde jeden Augenblick von seinem Dirigentenpult stürzen - so engagiert und dramatisch entlockte er den Musikern mit seinem Taktstock die gewünschten Töne.

Lediglich die Konzentration der Kontrabassisten wurde gelegentlich kurz getrübt, da der Wind ihnen wiederholte Male die Notenblätter durcheinanderpustete. Gegen halb sieben beendeten die Philharmoniker ihr Konzert schließlich mit Ausschnitten aus George Bizets "L'Arlesienne Suite Nr. 2". Im Anschluss bedankten sich die Zuschauer mit nahezu nicht enden wollendem Applaus und wollten die Musiker offenbar am liebsten nicht mehr gehen lassen. Mussten sie aber:

"Wir stehen ein wenig unter Zeitdruck und werden keine große Pause machen, da es ja auch noch andere Sorgen außer der Musik gibt", hatte Harris bereits eingangs augenzwinkernd erklärt - namentlich das Spiel der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM am selben Abend.

Von Daniela Schmidt

Siegener Zeitung

Siegener Zeitung vom 15.06.2010
Bildquelle: SZ-Foto von Daniela Schmidt (ds)


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