Sinfoniekonzert

"Neujahrskonzert 2011" mit der Philharmonie Südwestfalen

Tolles Konzert zum Auftakt eines Jubiläumsjahres
Solistin Lena Neudauer (Violine) begeistert
Abschied von Russel N. Harris - Empfang der Kulturgemeinde

Bad Berleburg. (pr) Es war ein tolles Geburtstagsgeschenk, das sich die Kulturgemeinde Bad Berleburg mit dem Neujahrskonzert der Südwestfälischen Philharmonie gemacht hatte. Aber ein bisschen Wehmut schwang mit. Es war auch das letzte Konzert des scheidenden Chefdirigenten Russel N. Harris, der amüsant und spritzig durch den Melodienreigen führte. Die junge Geigerin Lena Neudauer machte den Abend zu einem besonderen Ereignis.

  • Ausnahmetalent: Lena Neudauer begeisterte beim Neujahrskonzert mit Virtuosität auf höchstem Niveau. (WP-Foto: Karl-Peter Rasche)
  • 60 Jahre Kulturgemeinde: Die Südwestfälische Philharmonie gratulierte mit dem Neujahrskonzert im Bürgerhaus, mittlerweile bereits dem 18. (WP-Foto: Karl-Peter Rasche)

Ein bisschen Mozart und Dvorak, ein Strauß-Walzer vor dem Radetzky-Marsch zum Abschied. Das Publikum liebt bekannte Melodien zum Jahresauftakt. Seit dieser Woche hat es aber sicher auch Lena Neudauer ins Herz geschlossen. Die 27-Jährige Münchnerin, die mit drei Jahren das Geigespielen begann und mit zehn ihr erstes Konzert gab, beeindruckt nicht nur mit technischer Perfektion auf höchstem Niveau, das sie unter anderem in der Carmen Fantasie von Pablo de Sarasate unter Beweis stellte. Die zweifache Mutter, die seit Herbst des vergangenen Jahres als Professorin an der Musikhochschule Saarbrücken lehrt, zeigt sich auch einfühlsam, fast in sich gekehrt wie in Jules Massenets Thais-Meditation. Vor allem aber hat sie keine Starallüren, kommt ohne große Gesten aus und ist sich nicht zu schade, dem Publikum auch das zu servieren, was Russel N. Harris lächelnd mit "Schmalz" bezeichnet, den Csardas von Vittorio Monti. Kein Wunder also, dass das junge Ausnahmetalent tosenden Beifall erhielt. Ebenso wie Russel N. Harris, der nicht ganz so ausgelassen schien wie bei vorangegangenen Konzerten zum Jahresauftakt. Vielleicht, weil es für ihn auch der Abschied von einem treuen Publikum in Bad Berleburg war. Von seinen Fans in Bad Laasphe verabschiedete er sich gestern Abend.

  • Geschenk für den Vorsitzenden: Christoph Haupt (re.) gratulierte Otto Marburger zum 20-jährigen Jubiläum als Vorsitzender. (WP-Foto: Karl-Peter Rasche)
  • Chefdirigent Russel N. Harris: Für ihn war es ein Abschied. (WP-Foto: Karl-Peter Rasche)

Für die Kulturgemeinde unterdessen war es der Beginn eines Jubiläumsjahrs mit zahlreichen Höhepunkten, für die Otto Marburger zum Ende des Konzerts warb, verbunden mit einer süßen Jubiläums-Aufmerksamkeit an die Konzert-Besucher.

Er selbst hatte seine Überraschung schon hinter sich. Bei einem kleinen Empfang in der neuen Mensa des Gymnasiums hatten ihm seine Vorstandskollegen für seine mittlerweile 20-jährige Tätigkeit als Vorsitzender der Kulturgemeinde ein Geschenk überreicht. Seinen Einsatz und den seiner Kollegen hatte zuvor Bürgermeister Bernd Fuhrmann gewürdigt. Er sprach von "Menschen, die Geschichte geschrieben haben" und erinnerte an die Anfänge der Kulturgemeinde vor 60 Jahren. Auch stellv. Landrat Jürgen Althaus ging in seinem Grußwort sechs Jahrzehnte zurück in die schwierige Zeit des Wiederaufbaus. Dass sich in einer Zeit, in der der Alltag der Existenzsicherung gewidmet war, Menschen fanden, die sich um kulturelle Angebote bemühten, zeigt für ihn aber auch: "Kultur ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis der Menschen."

Unter welchen bescheidenen Umständen in diesen Jahren Aufführungen stattfanden, hatte Otto Marburger vorher bereits skizziert. Mit dem Empfang war man sozusagen an die Wurzeln zurückgekehrt. Die Nachbargebäude, das Capitolkino (immer nur donnerstags) und das ev. Jugendheim waren erste Spielstätten. Ab Mitte der 50er Jahre kam das neu gebaute Gymnasium hinzu, in den 70ern vor allem dessen Aula.

Marburger erinnerte vor allem aber auch an Menschen, die mit der Geschichte der Kulturgemeinde eng verbunden sind und deren Entwicklung maßgeblich prägten. "Ich habe uns Nachfolger mehr als Verwalter, denn als Initiatoren empfunden", betonte Marburger, der sich zusammen mit seinem Vorstandskollegen Christoph Haupt, Bettina Born, Antje Müller, Dr. Gerda Achinger und Andreas Wolf vor allem eines vorgenommen hat: "Wir wollen dankbar das Erbe pflegen und es durch Weiterentwicklung zu erhalten versuchen."

Von Karl-Peter Rasche

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 05.01.2011
Bildquelle: WP-Fotos (4) von Karl-Peter Rasche (pr)


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