Vorwort von Luz Leskowitz
zur 38. Internationalen Musikfestwoche
38 Jahre Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg,
und derselbe künstlerische Leiter ... unglaublich ... meiner Ansicht nach sind die Schlüsselworte für eine so lange Zusammenarbeit Respekt und Toleranz. Nur so kann eine dauernde und fruchtbare Zusammenarbeit funktionieren. Meine sehr engagierten Mitarbeiter in Berleburg, denen ich an dieser Stelle danken möchte, und ich, wir ergänzen uns, spielen uns die Ideen zu, die dann im Detail von mir "verarbeitet" werden. Das kurz aus dem "Nähkästchen" der Berleburger Musikfestwoche. Die Idee "Slawische Welten" kam diesmal aus Berleburg vom ersten Vorsitzenden der Kulturgemeinde, Herrn Otto Marburger. Das traf sich sehr gut mit meinen Intentionen, da ich seit vielen Jahren sehr viel im "Osten" musikalisch unterwegs bin. In Bulgarien, in Ungarn, in Rumänien, in Tschechien und besonders in Russland, wo ich vor 3 Jahren in Yuzhnouralsk (Sibirien) "meinen eigenen Wettbewerb" mit dem schönen Namen "Yuzhnouralsk-Salzburg" ins Leben rief. Diesen März fand der Wettbewerb mit großem Erfolg zum dritten Male statt. Er hat sich vom regionalen Wettbewerb zu einem nationalen entwickelt, aus ganz Russland kamen die Teilnehmer, 250 an der Zahl. Die Preisträger lade ich nach Salzburg zu meinen Schlosskonzerten ein. Es liegt nahe, dass bei DIESEM Thema Preisträger des Wettbewerbes 2009 in Berleburg ihr Können unter Beweis stellen werden.
Mit diesem Thema "Slawische Welten" kann man mindestens fünf Musikfestivals füllen, deshalb war es nicht einfach, für EIN Festival ein alle Musikliebhaber ansprechendes Programm zu konzipieren und jedem Geschmack gerecht zu werden. Ich hoffe, es ist mir halbwegs gelungen. Natürlich unseren Leitgedanken von Anbeginn immer im Auge behaltend: die musikalische Verbindung der Generationen und eine gesunde Mischung aus "alter und neuer Musik".
Fangen wir bei den "Jüngsten" an. Die erst 22-jährige Sängerin Dina Hussajenova aus Ufa, letztes Jahr erste Preisträgerin in Yuzhnouralsk, wird die Musikfestwoche mit zwei Mozart-Arien eröffnen. Wir werden dann die junge Dame noch bei den darauffolgenden Abenden in verschiedenster Besetzung hören. Unser "Cello-Jung-Star", Andreas Brantelid, Sohn von Ingemar Brantelid, beide keine Unbekannten in Berleburg. Andreas hat inzwischen international auf sich aufmerksam gemacht und wird mit uns am 6. und 8. Juli musizieren. Als Solist (Boccherini Cellokonzert), zusammen mit Klavier (Janacek und Schumann), sowie in der großen Kammermusik, 1. Cello im Streichsextett "Souvenir de Florence" von Tschaikowski. Das "Kinsky-Trio", ein junges Klaviertrio aus Prag, auch erfolgreiche Gäste der Schlosskonzerte in Salzburg, werden bei mehreren Abenden mit Klaviertrio und auch einzeln in verschiedenster Kombination zu hören sein.
Bei dem Wettbewerb "Yuzhnouralsk-Salzburg" kommt natürlich auch die "Volksmusik" mit ihren traditionellen Instrumenten zu Wort. Ein sehr interessanter Bereich, der besonders in Russland bis zum höchsten Niveau sehr gepflegt wird. So bekommen wir, zumindest in einer Musikfestwoche zum ersten Mal, von zwei Preisträger-Ensembles (Quartett "Apriori" und das "Zabawa-Duo") die Instrumente Domra, Bajan und Balakaika zu sehen und vor allen Dingen zu hören. Die vier jungen Musiker werden uns bei der "Nachtmusik" am 10. Juli und beim "Familienkonzert" am 11. Juli im besten Sinne des Wortes unterhalten.
Weiterhin zu erwähnen ist der russische Pianist, Dirigent und Professor am Konservatorium in Moskau, Konstantin Maslyuk. Uns verbindet eine langjährige künstlerische Freundschaft. Er wird sich in Berleburg am Klavier mit den Bildern einer Ausstellung von Mussorgski und mit Klavierwerken unseres Jahresregenten Frédéric Chopin präsentieren sowie bei allen 5 Abenden sowie beim Familienkonzert in verschiedensten Besetzungen "assistieren".
Das weltbekannte Talich Quartett aus Prag mit seinem Primarius Jan Talich, dem Urenkel des wohl bedeutendsten Dirigenten der Tschechischen Philharmonie, Vaclav Talich, und Namensgeber des Quartetts bei der Gründung 1964 (selbstverständlich fanden inzwischen Generationswechsel statt), wird die Musikfestwoche beschließen und mit dem letzten Werk, dem Klavierquintett Robert Schumanns, unserem zweiten Jahresregenten huldigen. Mit Konstantin Maslyuk am Klavier. Von Schumann werden wir auch die "Stücke im Volkston" mit Andreas Brantelid hören.
"Slawische Welten" dominieren. entweder haben die Komponisten, die Stücke oder die Musiker einen Bezug. Warum am Anfang eine Don Giovanni-Arie? Weil die Uraufführung in Prag war. Warum Franz Xaver Mozart? Weil sich seine letzte Ruhestätte in Karlsbad befindet. Übrigens sein Klavierquartett wird eine Erstaufführung für Berleburg. Bohuslav Foerster, geb. 1859 - gest. 1951, wird als direkte Nachfolge Dvoraks bezeichnet und hat wunderschöne Musik geschrieben. Bei uns ist der Komponist leider zu Unrecht so gut wie unbekannt. Ivan Chandoschkin und Maksim Beresovski, beide lebten zweite Hälfte 18. Jahrhundert und sind ebenfalls bei uns ziemlich unbekannt. Chandoschkin beschäftigte sich intensiv mit Volksmusik - wir werden ein entzückendes Duo für zwei Violinen hören - und Beresovski wurde von einem reichen russischen Adeligen nach Italien zum Studium eingeladen.
Wie immer, wird für das Familienkonzert am 11. Juli vormittags das Programm Mette Hanskov zusammenstellen. Es stehen ihr fast alle Mitwirkenden der Musikfestwoche zur Seite. U.a. hat Mette Hanskov die beiden Lieder von Bottesini, ursprünglich für Sopran, Kontrabass und Klavier, mit einer Streicherbegleitung versehen. Am ersten Abend spielen wir zum Abschluss Dvoraks Bläserserenade (original für 12 Bläser und Kontrabass) in einer hervorragenden Bearbeitung von Mordechai Rechtmann für neun Streicher.
Und zu guter Letzt, die Salzburger Solisten spielen, wann immer sie gebraucht werden, vom Duo bis zum Nonett ...
Das alles könnte so und in dieser Form nicht stattfinden, wenn wir nicht bei der Fürstlichen Familie seit 38 Jahren "open house" hätten, wofür ich mich im Namen aller sehr herzlich bedanke.
Ein besonderer Dank an unsere Schirmherrin Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Benedikte!
Von Luz Leskowitz


