Internationale Musikfestwoche
38. Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg
Auftakt mit "Slawische Welten"
Bad Berleburg. (cw) Edles Garn und edler Zwirn gaben sich zum Auftakt der 38. Internationalen Musikfestwoche (IMFW) auf Schloss Berleburg ein illustres Stelldichein. Doch nicht allein das äußere Erscheinungsbild der geschätzten 250 Besucher der Kulturveranstaltung ließ ein fröhliches, gediegenes Unterfangen vermuten. Bereits die schmuckvolle Aufmachung des gesamten Schlosses verspricht großartiges Kulturflair für die gesamte Woche.
Wie in jedem Jahr wird durch den ideenreichen Einsatz der Kulturgemeinde Bad Berleburg im reibungslosen Zusammenspiel mit den "Salzburger Solisten" unter Luz Leskowitz ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten geplant, bearbeitet und schließlich mit Freude umgesetzt. In diesem Jahr musste Otto Marburger, erster Vorsitzender der Kulturgemeinde, allerdings den Tod der Mitbegründerin der IMFW, Marianne Voss (einst ehemalige journalistische Kritikerin unserer Heimatzeitung) in den Vordergrund rücken. Mit ehrenvoller Teilnahme nahm das Publikum zu Beginn des Konzertes, das unter dem Motto "Slawische Welten" stand, Abschied von der alten Dame.
"Slawische Welten" ist das Thema, das insbesondere 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung im Bereich Musikkultur in Berleburg hohen Stellenwert genießt. Solistische Künstler des Abends waren die Sopranistin Dina Khusaenova und Konstantin Maslyuk. Die junge, dynamische Stimme Dina Khusaenovas fügte sich ad hoc hervorragend in die akustischen Bedingungen des Schlossfoyers ein, ihre Koloraturen der Mozartarien aus "Don Giovanni" und "Entführung aus dem Serail" vermittelten Vielversprechendes auch für die Folgekonzerte. Das 22-jährige Stimmwunder aus Pjerwomaisky in Russland wurde bereits elfmal bei russischen und internationalen Preisträgerkonzerten ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr wurde sie erste Preisträgerin im von Luz Leskowitz gegründeten Wettbewerb "Yuznoralsk - Salzburg" und trat sowohl 2009 als auch 2010 mit großem Erfolg bei den Salzburger Schlosskonzerten auf.
Er kommuniziert mit Elfenbein und Ebenholz wie zwei verliebt schwingende Herzen: der 37-jährige Pianist Konstantin Maslyuk "begreift" die Tastatur des Klaviers als Werkzeug und Instrument in dualer Folge. Mal entlockt er dem Flügel klare Takte, mit kräftigem Anschlag im Sinne Chopins, parallel fährt er mit dem Weichzeichner in der Hand darüber und schmeichelt dem geneigten Gehör während des Spiels der Polonaise Fantasie in As-Dur, op. 61, des gebürtigen Warschauers Frédéric Chopin (1810 - 1849). Der Professor für Kammermusik am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium erhielt bereits während seines Studiums ab 1995 zahlreiche internationale Preise und ist aufgrund seiner Beliebtheit auch gern gehörter Gast bei den Salzburger Schlosskonzerten, was sich zweifelsohne auch auf den fulminanten Abend in Berleburg übertragen lässt.
Selbstredend kamen auch die alten Hasen der Internationalen Musikfestwoche, die "Salzburger Solisten" mit viel Klangvollem zu "Worte". Sie sind beliebt, tragen mit ihrem Ensembleleiter Luz Leskowitz Jahr für Jahr die große Welt der Kammermusik und der Nachwuchstalente nach Berleburg. Somit ist die sommerliche Veranstaltungsreihe wohl kaum aus dem Terminplan der Kulturgemeinde wegzudenken, bringt sie doch ein gewisses Salzburger Flair mit nach Wittgenstein.
Mit dem Tschechen Bohuslav Foerster kreierten sie ihren musikalischen Einstieg für die Festwoche. Im Andante und Allegro für zwei Violinen, Viola, Cello und Kontrabass überwogen klar die Gustav Mahler-Elemente. Ein überaus melodiöses und gütig stimmendes Werk mit hohem sinnlichen Anteil wurde hier grandios interpretiert.
Eine frische Brise ließen sie durch die Wärme geschwängerten Räume wehen. Antonin Dvoraks "Serenade in d-moll" war einst ausgerichtet als Werk für Bläser und Kontrabass, nach einer Bearbeitung durch Mordechai Rechtmann nahmen die Salzburger es in ihr Repertoire als reiches Werk, schwer und dennoch annähernd heiter im "Moderato" auf. Das Stück mutete mit Esprit an, verzückte im zweiten Satz gar mit einem kleinen akustischen Feuerwerk und erlaubte den freudigen Charakter herauszuhören. Die Pizzicati im dritten Satz bescherten engelgleiches, zeitloses, im griechisch-philosophischen Sinne etwas
Fließendes, denn "panta rei, alles fließt" - die Assoziation für die Ewigkeit.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 06.07.2010
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


