Internationale Musikfestwoche 2011
Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg
ging mit einem "Grande Finale" zu Ende
Schöne Kunst macht viel Arbeit
Bad Berleburg. (bea) Antonio Vivaldi, Niccolò Paganini, Gioacchino Rossini, Guiseppe Verdi und eine Vielzahl weiterer musikalischer und kompositorischer Genies – ihr Erbe bewegte und begeisterte eine Woche lang Bad Berleburg. Die 39. Internationale Musikfestwoche zeigte zum einen "die Natur in ihrer Fülle, ermöglicht durch die Leichtigkeit des Seins", zum anderen aber "die dunklen Seiten des Lebens" in der Musik, wie es der Vorsitzende der Bad Berleburger Kulturgemeinde, Otto Marburger, in seiner Abschlussrede formulierte. Sie markierte am vergangenen Sonntagabend beim "Grande Finale" das Ende der alljährlichen Konzertreihe im Bad Berleburger Schloss.
Insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstler präsentierten eine Woche lang die facettenreiche und tiefgründige Musik der Italiener aus mehreren Epochen. Hierbei bereicherten auch Stücke unentbehrlicher Komponisten wie Franz Liszt, Wolfgang Amadeus Mozart oder Johann Strauss die einzelnen Programme, ging es doch in der italienischen Woche um Italien als "Sehnsuchtsland" und um die Künstler, die von ihm inspiriert und beseelt waren.
Das "Grande Finale" gestalteten die Salzburger Solisten, das Twins-Quartett und weitere Solisten. Den fröhlichen Einstieg zum festlichen Finale gab das Streichquartett – Elena Issaenkova (Viola), Tatjana Issaenkova (Violine), Elena Alekseeva (Viola) und Irina Smirnova (Violincello) – mit einer "Italienischen Serenade" des spätromantischen Komponisten Hugo Wolf. Neben früh- und spätromantischen Stücken bot das Programm auch Werke der Renaissance, etwa von Alessandro Rolla oder Gaetano Donizetti, was eine außergewöhnliche Mischung inmitten der barocken Architektur des Berleburger Schlosses ergab.
Der erste Teil des Abends beinhaltete noch fast melancholische Stücke, die die Sehnsucht nach dem Land der Architektur und Künste widerspiegelten. So trug die Pianistin Mari Kato den "Mephistowalzer Nr. 1" von Franz Liszt vor, der, ganz im Sinne der romantischen Literatur- und Poesievertonung, zur Tragödie "Faust" in der Version von Nikolas Lenau geschrieben war. Auch Giovanni Bottesinis "Elegie" (Klagelied), vorgetragen von Mette Hanskov (Kontrabass) und den Streicherinnen des Twins-Quartetts, zeigte mit dem schweren, eindringlichen Klang der Saiten einen klaren Kontrast in einem sonst heiteren Programm. Als Abwechslung zur Streicherbesetzung bekamen die zahlreichen Besucher "Il Carnevale di Venezia" von Giulio Briccialdi auf Flöte (Sergio Zampetti) und Klavier (Mari Kato) zu hören, dessen Melodie aus Kinderliedern bekannt ist. Nach der Pause bot das breit gefächerte Repertoire der Musiker mit Nino Rotas "Divertimento Concertante" für Kontrabass und Klavier ein Stück Neue Musik. Gegen Ende gesellte sich außerdem eine Stimme zur ansonsten instrumentalen Besetzung: Mit einem einerseits außergewöhnlich klaren Klang, andererseits perfekt inszenierter Gestik und Mimik sang die Sopranistin Clara Meloni die Arien "Quel guardo il cavaliere" (Gaetano Donizetti), "Oh mio babbino caro" (Giacomo Puccini) und "Spiel ich die Unschuld vom Lande" von Johann Strauss, die den Abend mit Witz beendete.
Die künstlerische Leitung der gesamten Woche hatte Violinist Luz Leskowitz, der außerdem die vielen jungen Musiker zusammenführte. "Musik und Dichtung zeigen uns wirklich die Polarität des Lebens, wie es Goethe sagen würde. Das macht eine solche Woche so wertvoll." Mit einer poetisch unterlegten Abschlussrede bedankte sich Otto Marburger im Namen der Kulturgemeinde. Neben Rosen und Spirituosen machte sich seine Anerkennung während der Rede bemerkbar: "Sie haben teils bis zur Erschöpfung geprobt und gefeilt, damit die Kunst schön sei, auch wenn sie viel Arbeit bereitet. Herzlichen Dank dafür." Nach persönlichen Grüßen Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Benedikte erinnerte die Kulturgemeinde schon einmal an die nächste Internationale Musikfestwoche vom 2. bis 8. Juli 2012.

Siegener Zeitung vom 13.07.2011
Bildquelle: SZ-Foto von (bea)


