Internationale Musikfestwoche 2011

39. Internationale Musikfestwoche
beginnt mit "Ouverture con virtuosismo"

Alte Bekannte und junge Künstler wurden vom Publikum
im Schloss Berleburg begeistert empfangen

Die beliebte Musikerfamilie 'Salzburger Solisten' um Luz Leskowitz (vorn rechts) weilt wieder mit erlesener Garnitur junger, dynamischer Solisten aus aller Welt, aber besonders aus Italien zur 39. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg. (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) Ein freudiges Durchatmen ging schon am Eröffnungsabend der 39. Internationalen Musikfestwoche (IMFW) auf Schloss Berleburg durch die wartende Besucherreihe vor dem Foyereingang. Die langersehnte Musikerfamilie um den Salzburger Violinisten Luz Leskowitz hat sich zur traditionellen Konzertreihe für eine Woche voller Schwung, Dynamik und Ästhetik in Berleburg eingefunden.

Neben den angestammten und 1979 gegründeten Salzburger Solisten sind eine Reihe junger, engagierter und hoch gelobter Musiker an die Odeborn gereist, um dem geneigten, teils ebenso angestammten Publikum, eine Genussreise zu unseren italienischen Nachbarn zu bieten. Der Eröffnungsabend unter dem Motto "Ouverture con virtuosismo" war an Glanz und Größe kaum zu überbieten.

Mit herausforderndem Bogenstrich gaben Mette Hanskov (Kontrabass), Andreas Brantelid (Cello) sowie Aylen Pritchin und Elena Issaenkova (beide Violine) zu Giacchino Rossinis Steichersonate Nr. 3 in C-Dur den Auftakt für einen fulminanten Abend. Die erwartungsfrohe Haltung der Zuhörer fand in prickelnden, höchst dynamisch bearbeiteten Capricci Nr. 7 und Nr. 17 für Violine solo von Nicolò Paganini mit dem 24-jährigen Russen Aylen Pritchin vortreffliche Bestätigung. Überreif und sehr viel jünger daherkommend war er ad hoc Publikumsliebling. Aylen Pritchin spielt nicht allein die Geige, er lässt seine Seele hineinschlüpfen und erweckt den Eindruck selbst das Instrument darzustellen.

Mit Enrico Pace betrat ein zweiter Franz Liszt den Saal. Atemberaubend ist sein "Verhältnis" zum Piano und zu den Kompositionen Liszts. "Au lac de Wallenstadt", "Vallée d'Obermann" und "Orage" breiteten Virtuosität sowie Impulsivität im Sinne Liszts in den Raum. Zu den Werken Rossinis, Paganinis und Igor Stravinskys "Suite Italienne" stellte dies keinesfalls einen Bruch dar, es war eher ein Weckton für das in Harmonie schwelgende Zuhörerohr. Die Kompositionen, die diesem dreistündigen Konzertabend südliches Temperament am Begrüßungstor der IMFW mit all seinen Seelenlandschaften, Facetten und Kräften vom piano hin zum fortissimo einhauchte, wurden von großer Begeisterung der Musikkenner empfangen.

Unterstrichen werden muss das Duale, das diesem Abend eine kontrastreiche Note auferlegte. Betrachtungsweisen, dass eine Violine nicht das pure Klang erzeugende Instrumente ist, müssen an dieser Stelle erwogen werden. Mal wird die Saite sanft wie eine Feder gespielt, dem gegenüber steht der temperamentvolle Interpretationsschwung, wie er beispielsweise durch Vladimir Mendelssohn als Viola-Solist zum Tragen kam. "Tema con variazone" von Nicolò Paganini, sehr individuell und "solamente" für IKH Prinzessin Benedikte als Schirmherrin der IMFW gespielt.

Der Konzertflötist Sergio Zampetti, der bereits sein Debüt in Berleburg bei der Vernissage zu Rosario de Simones "Räume" im Museum der Stadt Bad Berleburg gemeinsam mit Luz Leskowitz gab, bot mit Francois Bornes "Carmen-Fantasie" als Solist mit Streicherbegleitung ein Wunscherfüllungsprogramm. Prägnant setzte er das Instrument an die Lippen und erzeugte die feurigen Klänge mit originalem Melodiebild.

Unendlich viel Freude floss aus den Akkorden, Können gesellt sich immer dazu. Das Zusammenspiel ist ein Reigen, ein Tanz mit den Händen, den persönlichen Herzschlag begleitendes Moment. Der Italiener sagt an dieser Stelle "un concerto bellissimo" (ein schönes Konzert) und "una sera grandezza" (ein großartiger Abend) eröffnete die 39. Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg.

Hierzu fand bereits im Vorfeld der Vorsitzende der Kulturgemeinde und Mitorganisator der Traditionsreihe, Otto Marburger, treffende Worte der sehnsuchtsvollen Gedanken J. W. v. Goethes "Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?" Reichhaltig wird sie sein, die Woche voller Musik, Kunst und Künstlern.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 06.07.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


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