Internationale Musikfestwoche 2011

Goethes Italienreise und Petrarcas Sonette bildeten den Rahmen für die Stars an Piano, Violine und Flöte

Die Musik mit der Dichtkunst vereint

Die vier Russinen des 'Twins-Quartetts' Elena Alekseeva (Viola), Elena und Tatiana Issaenkova (Violinen) und Irina Smirnova (Cello). (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) Die Zeit vergeht für die mußevollen Stunden leider viel zu schnell. Bereits der dritte Abend der 39. Internationalen Musikfestwoche ist vorüber und hat abermals eine überaus große Anzahl begeisterter Freunde der Kammermusik in ihren Bann gezogen.

Der Titel "Musica e poesia" allein verrät: Hier geht es nicht bloß um die gespielte Partitur, um die hohe Kunst des Musizierens, hier gilt auch die Dichtkunst. Und keine geringeren als Dichterfürst Goethe, die verbale Muse Mozarts und gleichermaßen auch Liszts erhielten an diesem schmucken Abend deutliches Gewicht. Ins Hintertreffen gerieten natürlich nicht die Stars an Piano, Violine oder Flöte, denn um ihr großartiges Können und Umsetzen ging es schließlich.

Den Konzertauftakt bildeten die Streicherinnen des "Twins-Quartetts" mit Mozarts "Lodi-Quartett", welches das Genie mit 14 Jahren während eines Italienaufenthaltes komponierte. Als regelmäßige Intermezzi zu den Werken Mozarts, "Per pietà bell'idol mio", "Laudate Dominum", "In uomini", "In soldati" (Arie der Despina aus Cosi fan tutte) und "Appena mi vedono" (Arie der Serpetta aus La Finta Giardiniera), die mit dem zauberhaften Sopran von Clara Meloni abermals bereichert wurden, boten die beiden Vorsitzenden der Kulturgemeinde Bad Berleburg, Otto Marburger und Christoph Haupt, einen bunten, lustigen, allerdings auch sentimentalen Begleitton zu den Kompositionen. Christoph Haupt spezialisierte sich mit Leichtigkeit auf das "Wolferl" (Mozart) und seine Briefe aus Italien ans "Bäsle" (die Cousine) und seine Schwester, das "Nannerl". Delikat ging's in Mozarts Kopf zu, pikant und oftmals nicht ganz stubenrein. Da sah es mit der von Otto Marburger gebotenen literarischen "Italienreise" Goethes schon kontrastreicher aus. Seriös, gut detailliert beobachtete der größte deutsche Dichter das italienische Volk, die Landschaft und das Miteinander im Land. Er verglich, wog ab und zog Bilanz, dichterisch, getreu seiner Genialität.

Die Schlosskonzerte unterhalten in diesem Jahr mit unterschiedlichen Stimmungsfeldern. Was im ersten Teil humoristischen Charakter hat, färbt die zweite Begegnung zwischen Musikern und Publikum in pastellige, sanfte und sensitive Tonlagen. Hierzu wurden Giacomo Puccinis "Crisantemi" für Streichquartett, Felix Mendelssohn-Bartholdys "Venezianisches Gondellied", gespielt von Pianistin Mari Kato. Der Komponist verbrachte als 6-Jähriger einige Tage im Hause Goethes, was ihn für diese Komposition erheblich beeinflusst haben soll.

Zum Finale des Abends betrat erneut der aus Rimini stammende Piano-Virtuose Enrico Pace das Künstlerparkett. Seine Interpretationsweise des begnadeten Franz Liszt lässt Gedanken der völligen Hingabe an das Gesamtwerk des Richard Wagner-Schwiegervaters aufkeimen. Versunken in "Tre sonetti del petrarca" aus "Années de Pèlerinage, deuxième année Italie" lauscht er zunächst den Sonetten Petrarcas, vorgetragen von Otto Marburger. Eigentlich sind diese beinahe 500 Jahre alten Dichtungen kaum ins Deutsche übertragbar, dennoch wurde dem Publikum eine annehmbare und ausgefeilte Übersetzung geboten. Enrico Pace belegte das Literarische mit original Lisztscher Schwermut. Die Seelenlandschaft des Komponisten spiegelte sich eindeutig wider. Großer, wohlwollender Applaus brandete auf und ebbte erst nach Minuten ab.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 09.07.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


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