Cooltour 2011
Maddin Schneider: Lebensweisheiten auf dem Dixi-Klo
Hessischer Vollblut-Komiker begeistert 400 Bad Berleburger
Bad Berleburg. (cw) Zu seiner Show gehört eine gehörige Portion Selbsterkenntnis und der Mut zuzugeben: in mir steckt ein ganz großer Erbsenzähler und Gewohnheitsfanatiker.
Maddin Schneider, der Hesse aus Marburg mit dem markanten Mundwerk, der bereits vor den Bildschirmen deutschlandweit für Furore sorgte, schlich sich verstohlen auf die Bühne des Berleburger Bürgerhauses und schaukelte sich mit den Lebensweisheiten seiner "tödlich verstorbenen" Oma und dem Lebensbegleiter Kater Paulchen in den siebten Himmel des Klamauk.
Was im ersten Drittel seines kleinen Psychogramms relativ suberotisch vernehmbar war, mauserte sich im Abendverlauf zum gnadenlosen Seelenstrip-Dialog mit dem mehr als 400 begeisterte Zuschauer zählenden Publikum. So mancher verbale Erguss qualifizierte sich in die fäkale Ecke ungewöhnlicher Germanismen und dennoch weiß Maddin Schneider: mit den "Innereien" und Intimitäten kann er uns alle nivellieren. Wer gibt schon gerne zu, dass er es praktisch findet, Duschtasse und Küchenspüle miteinander zu kombinieren? Schon nach dreimaliger Körperreinigung wird auch die verkrustete Bratpfanne wieder sauber. Doch was sagt Freundin Schanine (Janine) zu diesen unfassbaren Entgleisungen deutscher Wohnkultur? Sie trennt sich jedes Jahr regelmäßig im Mai von Maddin, um im Juni wieder mit ihm Glück und Liebe zu teilen.
Eine Frau im Haus, mit einer unter einem Dach gemeinsam leben? Oh Gott, welche Überwindung ist das denn? Nein, das geht nun wirklich wider die Natur des "welteigenen Fremdenbrödlers". Unterschwellig hört der vergnügte Zuhörer allerdings einen wehmütig dahinschmelzenden Maddin, wenn er nur an seine trennungswütige Freundin denkt.
Entgegen aller Erwartungen geschehen in Maddins Leben Dinge, die da nicht hineinpassen: sein Vermieter kündigt ihm das praktische "Wohnklo", doch das Schöne am Schlimmen ist das vererbte Häuschen seiner Oma, das er aber nicht bewohnen will, weil er dort als Kind schon Heimweh bekam. Maddin eröffnet sich der ungeahnte Weg des Hauskaufs. Die marode Hütte, die zufällig und ganz plötzlich da in der Landschaft herumsteht, soll nun das neue, seine "Un-Gewohnheiten" aushaltende Zuhause werden. Im Zuge der Renovierungen legt er selbst Hand an den schimmeligen Wänden an und sieht sich urplötzlich, weil die Verdauung aufgrund der großen Stresssituation unregelmäßig wird, in einem Dixi-Klo gefangen. Im schnieken Anzug parodiert Maddin Schneider die verzweifelten Befreiungsversuche aus dem stinkigen Plastikkäfig und kommt hier in seinem "Todeskampf" an den philosophischen Betrachtungen des jüngsten Gerichts und der "Rekanalisation" der "Lalailama" - Buddhisten vorbei. Ohnehin kommt er hier zu der Erkenntnis, dass eine Kombination aller Religionen für ihn Lebenserfüllung darstellt - in einer versifften Baustellenlatrine!
Wie schnell Mensch doch durch ungewöhnliche Situationen geerdet wird, stellt der große Komiker dem Mitmenschen vor die Nase. Nicht Erbsenzählerei und Korinthenkackerei sind die Lebensmaxime, die zum Ziel führen. Letztendlich erfährt hier die ganze Welt, das hessische Gewohnheitstier Maddin Schneider, der beim Küssen gleich die ganze Frau verschlingen kann, hat sich selbst gefunden und ist glücklich, flexibel aus der Rock'n'Roll tanzenden Dixi-Bude über das abgetrennte Dach, wiedergeboren zu sein. Doch eigentlich ist Schanine an allem Schuld.
Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 08.02.2011
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)



