Schlosskonzert
Lea Lohmeyer und Andreas Kißling gaben Schlosskonzert
"Musik in Sanssouci"
Bad Berleburg. (cw) Eine Art Familientreffen in vielerlei Hinsicht gab es jetzt im Foyer auf Schloss Berleburg zu erleben. Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach (Sonate in C-Dur, Nr. 117) und Vater Johann Sebastian (Ricerare à trois für Cembalo aus dem Musikalischen Opfer BWV und die Ouvertüre in h-moll BWV 1067) bildeten kompositorische Programmpunkte gleichfalls wie die großen bekannten Komponisten des preußischen Hochadels Friedrich II. (Sonate Nr. 2 in c-moll und Sonate in A-Dur Nr. 117) an der Seite seiner Schwester Prinzessin Anna Amalia (Sonate in F-Dur).
Leise, zarte Klänge des Cembalo, das unvergleichlich einfühlsam von Lea Lohmeyer, Kantorin in Bonn-Hardtberg und mannigfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, gespielt wurde, fand an der Seite des Querflötisten Andreas Kißling eine hervorragende Ergänzung der höfischen Musik in Sanssouci. Beide Jungmusiker hoben das barocke klangliche Ambiente aus Potsdam nach Berleburg, dem es an diesem sehr sinnlichen Abend allerdings an Publikum fehlte. Eigentlich schade, denn hier wurden dem Zuhörer Einblicke und Hörgenüsse geboten, die intensive Konzentration erforderten. Der 26-jährige Andreas Kißling, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und Solist im Beijing Symphony Orchestra, Sinfonieorchester der Stadt Ulm und des Kammerorchesters Hannover, gab unumwunden zu: "Am preußischen Hofe pflegten die Musiker für barocke Werke dieser Komponisten die Traversflöte zu spielen. Das Holzblasinstrument ist eine einklappige dis-Flöte, die ich leider nicht spielen kann." Dennoch bietet die heute benutzte Klappenflöte erheblich mehr Variationsmöglichkeiten und größeren Tonumfang.
Die gehörten Werke überzeugten die Zuhörer im Schloss. An Leidenschaft büßten die ausgewählten Stücke nichts ein, ganz im Gegenteil, die beiden auf kommunikativer Basis bestens eingestimmten Musiker bereiteten barocke Hochgenüsse in diminutiver Form. Friedrich der Große wurde gemeinsam mit seiner Schwester Anna Amalia zu einem großen Staatsmann erzogen, deren Vater es überhaupt nicht behagte, dass seine Kinder sich derart der Muse hingaben. Die tolerante politische und religiöse Haltung und die hochqualifizierten Musikerkontakte zu C.P.E. Bach des damaligen Preußen-Prinzen schlagen sich kompositorisch enorm stark nieder. Allerdings, so erfuhr auf Schloss Berleburg der geneigte Fachmann, war Prinzessin Anna Amalia eine Musikerin ausgereifterer Fertigkeiten, der es sehr anstößig erschien, dem Ohr stets das Wohlklingende zu präsentieren. Sie wählte in ihren Arbeiten insbesondere die kontrapunktische Kompositionstechnik und setzte dabei bedeutungsvolle Meilensteine auch für ihre Kantaten, Choräle und Märsche. In allen Werken der Hochadeligen finden sich Spuren der großen, mit ihnen befreundeten, Bachfamilie wieder, die auch mit Anna Amalias Lehrer Philipp Kirnberger unabdingbar verknüpft ist.
Hinter den Kulissen des Konzertes gaben Lea Lohmeyer und Andreas Kißling sehr frei und freundlich Auskunft über ihre hochwertigen Studien und ihre Konzerttätigkeit in der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler. Mit viel Humor offenbarten die beiden schließlich ein "Nord-Süd-Gefälle" im Temperament des deutschen Publikums, dass sich, so Lea Lohmeyer auch schon mal umkehre und die Nordlichter in Hamburg ein euphorisches Publikum im Gegensatz zum wissbegierigen Schwaben darstellen.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 06.03.2010
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


