Interview
Otto Marburger
über die Arbeit der Bad Berleburger Kulturgemeinde
Mehr Menschen für das Theater begeistern
Bad Berleburg. (pr) Otto Marburger ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Bad Berleburger Kulturgemeinde. Wir sprachen mit ihm über Höhen und Tiefen, aber auch über Möglichkeiten des Berleburger Kulturlebens.
Frage: Herr Marburger, Sie haben das Kulturgeschehen in Bad Berleburg über zwei Jahrzehnte begleitet. Gibt es Ereignisse, an die sich besonders gern erinnern?
Marburger: In besonders guter Erinnerung ist mir die Musikfestwoche zu Dänemark und die Ausstellung mit einem dänischen Galeristen.
Frage: Die Festwoche ist ein besonderes Aushängeschild der Kulturarbeit ein Bad Berleburg. Welchen besonderen Reiz hat sie für die Organisatoren?
Marburger: Es entstehen besondere Beziehungen zu den Künstlern. Man holt sie ab und kümmert sich während des Aufenthalts um sie. Zum Teil sind sie ja auch privat untergebracht. Da können auch Freundschaften entstehen - wie mit Mette Hanskov, die schon seit 30 Jahren nach Berleburg kommt. Da kennen wir mittlerweile die ganze Familie.
Frage: Wie schätzen Sie die Außenwirkung der Schlosskonzerte ein?
Marburger: Sie sind überregional bekannt. Insofern ist das ein Stück Werbung für Bad Berleburg. Die läuft übrigens auch über Künstler. Wir verstehen uns da auch ein Stück als Dienstleister für die Stadt.
Frage: Die Musik ist ein Bestandteil des jährlichen Angebots der Kulturgemeinde. Offensichtlich läuft es da einfacher als beim Theater.
Marburger: Es ist zumindest finanziell unproblematischer, weil Theaterstücke heute sehr teuer und das finanzielle Risiko höher ist.
Frage: Ist es heute schwerer, Menschen für Theater zu begeistern?
Marburger: Es ist schwerer, junge Manschen dafür zu begeistern, die ja das Publikum von morgen sind. Wir bieten Kindertheater für Grundschulen an. Aber danach wird es schwieriger. Als Lehrer habe ich früher in Zusammenarbeit mit den Eltern in Ergänzung zum Unterricht Schüler zum Theaterbesuch verpflichtet. Ich würde mir heute wünschen, dass Klassen ab dem 7. Schuljahr einmal im Jahr ins Theater gingen.
Frage: War nicht früher auch die Cooltour-Reihe eine Möglichkeit, junge Leute anzusprechen?
Marburger: Mit Cooltour haben wir nicht unbedingt junge Leute angesprochen, eher ein anderes Zielpublikum. Leider ist uns aber mit dem Kurhaus die dafür notwendige Spielstätte verloren gegangen. Dort war das geeignete Ambiente vorhanden.
Frage: Gibt es Alternativen?
Marburger: Nicht wirklich. Das Bürgerhaus ist zu groß. Wir haben einmal einen Versuch im Foyer gestartet. Aber der Aufwand dafür steht nicht im Verhältnis.
Frage: Wenn Sie drei Wünsche für die Zukunft hätten, welche wären das?
Marburger: Ich würde mir wünschen, mehr Menschen für das Theater zu begeistern, dass die Konzerte im Schloss immer ausverkauft wären und wir mehr finanziellen Spielraum hätten.
Mit Otto Marburger sprach Karl-Peter Rasche
WESTFALENPOST vom 05.01.2011
Bildquelle: WP-Foto von Karl-Peter Rasche (pr)


