Internationale Musikfestwoche 2011
Ganz im Zeichen des Barocks
Frischer Festabend mit jungen Musikern und einem jungen Publikum im Schloss
Bad Berleburg. (cw) "Musica laetitia comes medicina dolorum" - Musik macht Freude und lindert die Schmerzen. Augustinus von Hippo kannte die verwöhnenden Klänge des Barock zu seinen Lebzeiten natürlich nicht, doch soll seine Betrachtung eine generelle Sichtweise auf die Musik sein - zu allen Zeiten.
Der zweite Festabend der 39. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg stand ganz im Zeichen des barocken Zeitalters mit Blick auf Italien, seinen Komponisten und diversen Künstlern aus dem sonnigen Mittelmeerland.
Und wieder erlebte der Sommersaal im Schloss sehr gut gefüllte Ränge. Im Durchschnitt ein recht jugendliches Publikum erfreute sich des barocken Werkes Arcangelo Corellis (1653 - 1713) "Sarabande, Gigue und Badinerie" für Streicher. Der Italiener gilt unter anderem auch als großer Baustein in der Entwicklung des concerto grosso. Das durch die Salzburger Solisten gebotene Werk spülte eine Welle der Grazilität und wogenreiches Fließen in den Raum. Die Gemüter wurden im nächsten Tanzsatz, der Gigue beflügelt; flottes und freudiges Pizzicato der begnadeten Musiker leitete in einen frischen Abend.
Was ist Barock ohne das Cembalo? Angela Koppenwallner, die bereits im Jahr 2008 die Musikfestwoche mit den zarten Klängen ihres Instrumentes in Entzücken versetzte, spielte an diesem Abend gleich mehrere, sehr bekannte Komponisten. Domenco Scarlatti (1685 - 1757) stand hier gleich mit zwei Sonaten für Cembalo Pate. Die hellen, obertonreichen Klänge hüllen das Lebensgefühl in weiche Sequenzen.
Sergio Zampetti begleitete Angela Koppenwallner mit seiner Flöte zu J. S. Bachs "Italienisches Konzert". Die Flötensoli sind geringstimmig und dennoch bekommt der Zuhörer einen recht dominanten Eindruck der Flötenpassagen. Der Wohlklang beider Instrumente basiert selbstverständlich auch auf der individuellen Kommunikation der Musizierenden und bereitet dem Zuhörer ein Labsal vieler Sinne.
Als Italiener standen Antonio Vivaldi mit "La Notte" und "Il Sonno", Giovanni Battista Pergolesi und Giuseppe Tartini im zweiten Konzertteil als Schöpfer zauberhafter Barockwerke zur Verfügung. Die italienische Sopranistin Clara Meloni bereicherte diesen Teil des Konzertes mit Arien aus Pergolesis "La Serva Padrona" und sang die Arie "Atalanta aus Serse" aus Georg Friedrich Händels "Un cenno leggiadretto". Die schmeichelnde klare, aber auch voluminöse Stimme der Gesangwettbewerb-Preisträgerin des FLAME in Paris umgarnt gerade in diesen Stücken mit Koketterie. Zudem kann Clara Meloni mit enormer Schauspielkunst und mimischer Raffinesse aufwarten, was ganz speziell in amourösen und pikanten Szenen sehr von Vorteil ist.
Die Begeisterung des Maestro Luz Leskowitz für den jungen russischen Geiger Aylen Pritchin ist unübersehbar. Die geplante Sonate in g-moll von Giuseppe Tartini, die sogenannte "Teufelstriller-Sonate", spielte der Petersburger mit der Violine des Salzburger Solisten Leskowitz und, das scheint an dieser Stelle schier unglaublich: er nahm sich einer Kadenz des Leskowitz-Lehrers Váša Příhoda an, die er erst 48 Stunden vorher das erste Mal zu Gesicht bekam.
Der 24-jährige Ojstrach-Wettbewerb-Preisträger bewegte den Bogen über die Saiten durch Gottes Gnaden, ohne Partitur-Vorlage, einfach so. Die letzten Takte des Stückes waren durch ein unüberhörbares Raunen im Publikum zu vernehmen. Genial, phänomenal und erstklassig ist hier schlicht untertrieben.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 07.07.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


