Internationale Musikfestwoche 2011

Il Carnevale Venezia und Mephistowalzer zum Finale

Internationale Musikfestwoche ist ausgeklungen
Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr laufen

Die Musikerfamilie der 39. IMFW auf Schloss Berleburg verabschiedete sich mit einem 'Grande Finale' von ihren Freunden in Berleburg. (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) "Panta rei - alles fließt". Bereits der große Grieche Heraklit war sich bewusst, alles ist ein Kreislauf, das Leben, das Sterben - das gesamte Dasein. Seine Botschaft signalisiert nicht die Endlichkeit der Dinge, es ist vielmehr die Unendlichkeit. Auch Musik und Ereignisse unterliegen natürlich diesem Kreislauf.

Der Zirkel für die 39. International Musikfestwoche auf Schloss Berleburg hat sich nun auf höchstem musikalischem Niveau geschlossen. Dank dafür sei den vielen internationalen Musikern, den Salzburger Solisten, allen voran Festivalleiter Luz Leskowitz, den Organisatoren der Kulturgemeinde Bad Berleburg und last but not least, der liebenswerten, hochverehrten Schirmherrin IKH Prinzessin Benedikte.

Es war vollmundig, abgerundet mit vielen begehrenden Blicken auch in die Nachbarländer des Themenlandes Italien. Hier ein Gucker nach Österreich zu Johann Strauß' Arie Adele aus der "Fledermaus", die mit kokettem Augenaufschlag und grazilem Sopran von der sympathischen Italienerin Clara Meloni, über die Bühne flanierte.

Ein Grande Finale, das sich im Temporeichtum, Lebhaftigkeit und Emotionalität ein Stück weit von den vorangegangenen Abenden unterschied. Vielleicht auch als Absichtserklärung der Veranstalter: "Wir sind multipel und variieren gern, unser Festival bietet Geschmackvolles, Niveau und Kurioses." In jeder Hinsicht war es wie die vergangenen Jahre grandios gelungen und die Arbeiten für das Jubiläumsjahr laufen bei den Organisatoren bereits auf Hochtouren.

Die Mühen, das Ausfeilen und Arrangieren hinter den Kulissen sind in Gold nicht aufzuwiegen. Tut ein Künstler dies nicht mit absoluter Liebe zum Detail, würde eine Mari Kato Franz Liszts "Mephistowalzer" ohne Herzblut spielen. Sergio Zampettis Flötentönen würden niemand wirklich Glauben schenken. Doch auch die Anwesenheit seiner Familie spricht hier Bände. Der freundliche "Horrowitz der Flöte" geht in seinem Spiel auf, jeder Ton ist echt und ehrlich mit positiver Energie versehen, somit sind Giulio Briccialdis "Il carnevale Venezia" und Pietro Morlacchis "Il pastore svizzero" eine Geburt des Wundervollen vor gut 200 konzentriert lauschenden Zuhörern.

Eine spitze Zunge hat einst behauptet, ein reiner Ton auf dem Kontrabass ist purer Zufall. Dieser Aussage zufolge gibt es im Leben von Mette Hanskov viele Zufälle. Die diffizilsten Werke schultert die Dänin mit Inbrunst. Giovanni Bottessini verfasste die "Elegie" für Kontrabass und Streicher. Sowohl hier, als auch die Interpretation Nino Rotas "Divertimanto concertante" gingen Mette, wie sie in den vielen Jahren ihrer Spielfreude in Berleburg genannt wird, durch die "Zauberhand", stets ein Blick auf die Musizierpartner gerichtet. Kommunikation ist hier eben alles.

Keck, tänzerisch - mit der "Polonaise" für Viola und Streicher ging das "eingefleischte Team" der Salzburger Solisten dabei die Endrunde in 2011 an.

Die Frage, ob sie wiederkommen in der nächsten Saison, stellt sich erst gar nicht. Das ist völlig selbstverständlich und dem an Kammermusik interessierten "Völkchen" auf Schloss Berleburg werden sie wohl alle wie ein gut gehüteter Schatz erhalten bleiben. Gesundheit ist hier wie überall die Maxime.

Doch wie bereits der Merksatz des Barockabends prophezeite: "Musica laetitia comes medicina dolorum" - Musik erhält gesund!

In freudiger Erwartung auf den 2. Juli 2012, Eröffnungsabend zur 40. IMFW, entließ der Vorsitzende der Kulturgemeinde, Otto Marburger, die zum Inventar gehörenden Künstler und arrangierten Solisten mit Silvaner im Bocksbeutel und wohlwollenden Worten in den Abend.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 12.07.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)

You Tube-Video

Morlacchi Il pastore svizzero Sergio Zampetti, flute Mari Kato, piano
serzampetti

Dauer: 7:22 min


  Stadt Bad Berleburg
  Kreis Siegen-Wittgenstein