Schlosskonzert
Das "Flügelschlag-Quartett"
mit "Wenn Großvater erzählt" auf Schloss Berleburg
Bad Berleburg. (cw) Mit ihrem Einzug in das Foyer des Berleburger Schlosses, kamen vier junge Menschen, vier lustige Augenpaare und achte flinke, beredte Hände auf die Bühne, um den Menschen im manierlich besetzten Veranstaltungsraum Freude und Können zu vermitteln: das "Flügelschlag-Quartett" mit Barbara Rieder und Sebastian Bartmann (beide Piano) sowie Ákos Nagy und Claudius Heinzelmann an den Percussionsinstrumenten.
Dem Aufruf der Kulturgemeinde Bad Berleburg, es mögen doch auch Kinder dem Erzählkonzert "Wenn Großvater erzählt" beiwohnen, folgten tatsächlich eine Reihe kleiner und sehr junger Zuhörer und bekamen mit Note und harmonischem Klang fantasiereiche Geschichten vom "Nussknacker", "Meine Mutter, die Gans" und "Peter und der Wolf" fabuliert.
Die weltbekannten Melodien von Peter Tschaikowskys "Nussknackersuite" op. 71 a, das der Russe einst in Anlehnung an E.T.A. Hoffmanns Geschichten komponierte, Maurice Ravels "Ma mère l´oye" entstand mit Blick auf ein in Frankreich seit dem 17. Jahrhundert sehr populäres Märchen und Sergej Prokofiews Eigenerzählung - und Komposition von "Peter und der Wolf" lieferten für die vier Musiker den Ideenstoff der für das Publikum in Berleburg zum traumhaften Unterfangen wurde.
Experimentell rückten die Pianisten und Percussionskünstler der Materie zuleibe, spickten das Märchenhafte mit tierischen Stimmimitationen, die sie gekonnt in die Geschichten einflochten. Kurzweil war hier angesagt und für die Kinder im Saal, auch die Großen jenseits der Kindesbeine, ein köstliches Vergnügen.
Die mehrfach preisgekrönten jungen Menschen, die sich im Jahr 2005 aus dem Duos "imPuls" und den Schlagzeugern zusammenfand, kreierte ein wundervolles Zweistunden-Programm, das in Einzelnuancen in der Vorbereitung und Ausführung höchste Konzentration und schwerste Arbeitsleistung zutage fördert. Das Publikum erkannte den Aufwand ihres Tuns und belohnte sie nach jedem einzelnen Auftritt mit minutenlangem Applaus.
Das differenzierte Rollenspiel aller Musiker belegte nicht allein das zweifellos musikalische Können, es unterstrich ebenfalls die Wortgewandtheit, den klaren Ausdruck und die hervorragende stimmliche Impulsivität der Vier. Zudem unterstrichen sie den Inhalt der Märchen mit szenenorientierten Verkleidungen als Ente (Donald Duck wäre neidisch geworden), Wolf oder Großvater, der mit Sonnenbrille ausstaffiert stark an Puck die Stubenfliege erinnerte. Schon allein diese Darstellungen ließ die Menschen im Raum vor Lachen kaum ruhig sitzen.
Mit Becken, Schellengürtel, Triangel, Pauken, Xylofonen, Gong und den Flügeln berauschten "Flügelschlag" geradezu die Berleburger, bereiteten ihnen beste Unterhaltung wundervoll kindgerecht und ersetzten mit großer musikalischer Flexibilität ein ganzes Orchester. Die Antwort auf den begeisterten Applaus lieferten sie dann auch prompt: als Zugabe erklang karibisches Flair, sehr extrovertiert, und eine experimentelle Erweiterung zu Paganinis Konzert für zwei Piani.
Was wäre ein Konzert, das insbesondere auf Kinder abzielt, wenn sie nicht hinterher selbst ausprobieren dürfen? Die kleinen Hände hatten zum Schluss riesengroße Freude selbst an den kuriosesten Instrumenten Töne zu erzeugen, ganz zum Spaß der Eltern, die dann zu hören bekamen: "So ein Ding will ich auch zu Hause haben!"
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 19.01.2010
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)



