Schlosskonzert | Kammermusikalisch-literarisches Programm

Das Ensemble Bonanox aus Freiburg
begeisterte im Saal des Schlosses

Was für eine stürmische Jagd
Auch Goethe, Ringelnatz und Tieck meldeten sich plötzlich zu Wort.

Nahmen ihre Zuhörer jetzt vom Berleburger Schloss aus mit auf eine spannende musikalische Jagd: Christoph Ullrich, Kerstin Grötsch, Peter Heusch, Matthias Horn und Ulrich Hübner (v. l.) vom Ensemble Bonanox aus Freiburg. (SZ-Foto: Dr. Volker Gastreich)

Bad Berleburg. (vg) Das Waldhorn ertönte laut und schallend, und im eifrigen Spiel der übrigen Instrumentalisten wurden malerische Szenen lebendig: prasselnde Pferdehufe über dem aufgewühlten Waldboden, eine eifrige Hundemeute bellend und kläffend davor, blitzende Jägerbüchsen in der Luft und stets die Beute im Visier: Am Dienstagabend hielten die Zuhörer beim "Konzert im Schloss" zu Recht den Atem an, als das Ensemble Bonanox aus Freiburg auf Einladung der Kulturgemeinde Bad Berleburg und unter dem Protektorat Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Benedikte von Dänemark im großen Saal aufspielte. Unter den großen, hölzernen Hirschköpfen an den altehrwürdigen Wänden nahm der musikalische Abend mit dem Thema "Jagd" daraufhin einen spannenden Verlauf.

Kerstin Grötsch (Klarinette), Ulrich Hübner (Horn) und Christoph Ullrich (Klavier) entführten ihr Publikum dabei gemeinsam mit Matthias Horn (Bariton) in die Dunkelheit tiefer Wälder und schwärmten musikalisch aus in die Weite der Natur. Peter Heusch wiederum garnierte die einzelnen Musikstücke gekonnt und keck mit ausgewählten Jagd-Szenen aus der Literatur.

Schon spürten die Zuhörer die "Waldsehnsucht" im gleichnamigen Lied von Gustav Rebling und ließen sich vom markanten Gesang von Matthias Horn, den säuselnden Fanfaren des Horns (Ulrich Hübner) und dem lieblichen Spiel am Klavier (Christoph Ullrich) berauschen. Wahrhaft lebendige Jagdszenen entfachten wiederum ausgewählte Stücke aus Robert Schumanns "Waldszenen". Eben noch vom instrumentalen Dahineilen, Jagen und Verfolgen berauscht, fand sich das Publikum schon bald darauf an der Seite des Leutnants Melzer und seines Freundes René von Stangeler bei einer spannenden Bärenjagd wieder: Im sehr lebendigen Vortrag von Peter Heusch aus Heimito von Doderers Roman "Die Strudlhofstiege" wurden die Zuhörer Zeugen der Unberechenbarkeit der ungezähmten Natur und erschauderten vor der Gewalt des wilden Tieres bei der Jagd.

Doch das Ensemble Bonanox hatte noch mehr mit seinem Publikum vor: So durchstreifte es gemeinsam mit allen Anwesenden in weiteren Stücken tief romantische Wälder, schürte die Spannung mit Beethovens "Wolfsjagd", wagte sich gemeinsam mit Joseph Haydn "auf die breiten Wiesen hin" oder genoss in Louis Spohrs "Was treibt den Waidmann in den Wald" oder Friedrich Krinningers "Mein Herz ist im Hochland" die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur.

Literatur und Musik gaben sich in farbenprächtigen und harmonischen Bildern ein munteres Stelldichein und ließen auch genügend Raum für süße Melancholie – nicht zuletzt mit Franz Schuberts "Ellens zweiter Gesang" nach Walter Scotts Gedicht "Lady Of The Lake" oder Franz Liszts "Der Alpenjäger".

Nach so vielen turbulenten Jagdszenen, in denen sich unter anderem auch Johann Wolfgang von Goethe, Joachim Ringelnatz und Ludwig Tieck zu Wort meldeten, erweckte Peter Heusch in einer letzten Rezitation schließlich die Göttin Diana, aus Heinrich Heines "Die wilde Jagd" zu neuem Leben. Schon preschten die verführerische Diana mit lodernden Blick und die nicht minder verlockende Fee Abunde in voller Weiblichkeit vor dem geistigen Auge vorüber und krönten somit den spannenden und ausgelassenen Abend mit einer ganz besonderen weiblichen Note. Noch einmal hallte das Waldhorn laut und wunderbar in einem Auszug aus Charles Koechlins "Quatre Petites Pièces" in den Räumen des Schlosses Berleburg wider, ehe das Ensemble ein begeistertes Publikum in die Nacht entließ.

Von Dr. Volker Gastreich

Siegener Zeitung

Siegener Zeitung vom 31.03.2011
Bildquelle: SZ-Foto von Dr. Volker Gastreich (vg)


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