Schlosskonzert
Compagnia di Punto: "Zwischen Kerker und Krone"
Leben der Musiker an den Höfen Europas beim Konzertabend beleuchtet
Bad Berleburg. (cw) Auf die Alliteration "Zwischen Kerker und Krone" ein Bonmot zu legen ist für die Fünf von "Compagnia di Punto" ein leichtes Spiel. Nicht allein der Bogenstrich, und die richtige Einsätze der Traversflöte und des Naturhorns gehören zum professionellen Beherrschen des Quintetts. Es weiß auch verbal zu unterhalten.
Anlass dieses vielgestaltigen Konzertabends war der 80. Geburtstag von Professor Dr. med. René A. Baumgartner. Der Mediziner widmete sich Jahrzehnte seiner ärztlichen Tätigkeit als "Wanderprediger" der Amputationschirurgie. Auch heute noch bereist er die Welt wie ein Jugendlicher und steht der medizinischen Welt wissenschaftlich zur Verfügung. Das Helios Rehazentrum Baumrainklinik organisierte als kulturellen Rahmen zu einem Symposium gemeinsam mit der Kulturgemeinde Bad Berleburg diese Veranstaltung im Foyer des Berleburger Schlosses.
"Compagnia die Punto" wussten um die Leidenschaft Professor Baumgartners für Johann Sebastian Bach. Hier war ein Gesprächskonzert genau das Richtige für die zahlreichen Gäste - Mediziner, Patienten nd Kulturliebhaber. Aufbauend mit Rahmengeschichten zum Wirken und Leben der Komponisten Giovanni Punto (1746 - 1803), eigentlich Johann Wenzel Stich, Joseph Fiala (1748 - 1816), W. A. Mozart (1756 - 1791), Michael Haydn (1737 - 1806) und Antonio Rosetti (1746 - 1792) tat sich für die Zuhörer eine völlig andere Sichtweise auf die Schöpfer ihrer Musik auf.
Wie schwer hatte es so mancher Musiker in der damaligen Zeit Fuß zu fassen. Die Höfe Europas waren es, die sie beorderten zu komponieren. Angeeckt sind die großen Meister oft genug und liefen dauerhaft Gefahr, den Adelshäusern nicht zu belieben. Die Strafen gingen von Kerker bis zum Erhängen.
Punto lebte unter einem Pseudonym, was ihn unerkannt, aber erfolgreich wirken ließ. Der berühmteste Hornist Europas seiner Zeit lebte unter der Leibeigenschaft des Grafentums in Schleswig-Holstein. Sein Quintett in F-Dur übertrug den Schöngeist auf das Publikum und spannte einen roten Faden zu den folgenden Werken des ersten Konzertteiles in Berleburg.
Heutzutage wäre es geradezu unerhört, so geben die Erzähler von "Compagnia di Punto" mit Annie Laflamme (Traversflöte), Christian Binde (Naturhorn), Adrian Bleyer (Violine), Florian Schulte (Viola) und Alexander Scherf (Violoncello) zu bedenken, dass ein Koch der Kantine der Berliner Philharmoniker in weiterer Tätigkeit die erste oder zweite Geige im Orchester spielt. Im 18. Jahrhundert fragte in Öttingen-Wallerstein eines der besten Orchester damals, niemand danach. Aus Kostengründen spielte der örtliche Pfarrer Cello, der Bäcker blies das Horn oder der Schreiner kannte sich als Pianist aus.
Die Höfe Europas respektierten J. S. Bach außerordentlich, daher behandelte man ihn dort moderat.
Die höfische Musik war in Europa in drei Musikstile unterteilt. Zum einen ist der Französische dem aristokratischen Unterhaltungsniveau zuträglich, der Italienische allerdings lief Gefahr, trotz seiner Virtuosität zur Show zu degradieren und im Deutschen versuchten die Komponisten dies zu verschmelzen.
Jean Nisle, dessen Quintett op. 26 in Berleburg erklang, führte neben Bachs "Musikalischem Opfer" zum Höhenpunkt des temperamentvollen Konzertes. Sein musikalisches Wirken führte ihn mehrfach auf Schloss Berleburg, von wo aus er gewissermaßen seine Karriere Bahn brechen ließ.
Schließlich klang das Konzert mit Johann Andreas Amon (1763 - 1825), Johann Mettenleiter (1791 -1859) und einer Michael Haydn-Zugabe und reichem Applaus aus.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 22.11.2010
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)



