Internationale Musikfestwoche
"Romantischer Abend"
3. Abend der 38. Internationalen Musikfestwoche auf Schloss Berleburg
Bad Berleburg. (cw) Was verbindet Leos Janacek (1854 - 1928), Modest Petrowitsch Mussorgski (1839 - 1881), Robert Schumann (1810 - 1856) und Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893) miteinander? Es ist nicht die reine Tatsache, dass sie alle Komponisten der romantischen Epoche sind, aber unterschiedlichen Kulturkreisen entstammen, es ist das glückliche Zusammenwirken, dass die Salzburger Solisten, Andreas Brantelid (Cello) und Konstantin Maslyuk (Piano) sie als Tonschöpfer für den dritten Abend der 38. Musikfestwoche gewählt haben.
Die verantwortlichen Mitglieder der Berleburger Kulturgemeinde können sich wahrlich in diesem Musikerglücksgriff sonnen. Standen doch am Donnerstag alle Zeichen auf bahnbrechenden Erfolg bereits mit dem Auftakt zum "Pohadka" (Märchen) von Leos Janacek. Andreas Brantelid und Konstantin Maslyuk erzählten mit ihren Instrumenten märchenhafte Inhalte, Assoziationen, die das Grausame, Boshafte, Hexenhafte und parallel dazu das Zuckersüße und Liebliche zu Wort kommen ließen. Konzertante Elemente wie Pizzicati, Vivace und con moto brachten hinreißende Melodien in den Saal und setzten fabelhafte Gedankenfantasien in Gang.
Nicht minder bilderreich wusste Mussorgski zu arbeiten, so dass seine "Bilder einer Ausstellung" an Kunstvielfalt der Musiker auf Schloss Berleburg wohl kaum zu übertreffen ist. Mit Bewegungsreichtum und Intuition gelang ihnen mit Bravour die Umsetzung des Leitmotivs eines Spazierganges (Promenade), der sich stilistisch in jedem zweiten Satz stark vom Vorgänger abgrenzte. Luz Leskowitz, Minjung Kang (beide Violine), Elena Issanenkova und Elena Alekseeva (Violen), sowie Uwe Hirth-Schmidt (Cello) bedurften hierbei lediglich ihrer musikalischen Genialität, und schon war ein ohnehin erwartungsfrohes Publikum glühend vor Begeisterung.
Robert Schumann und Tschaikowsky waren schließlich die Gestalter des zweiten Konzertteiles. Im Volkston, sehr menschlich und überaus sympathisch griffen hier Pianist und Streicher beherzt in die Saiten und auf die Tastatur. Und was wäre ein Kammermusikabend, wo wirklich alles nahtlos durchgeplant ist ohne, dass ein Lapsus geschieht? Was war das für eine Publikumsfreude, als der junge Andreas Brantelid feststellte, im Adagio cantabile e con moto aus Tschaikowskys "Souvenir de Florence", in d-moll op. 70, die falsche Partitur vor sich zu haben. Er fand sie sehr schnell, so dass ein reibungsloser, aber humorgespickter Sextett-Verlauf schließlich mit Allegretto moderato und als Schlusssatz Allegro vivace zum krönenden Melodienabschluss führte.
Einmal mehr hat Berleburg nun miterlebt, was Faszination Musiker bedeutet, hat den jungen Brantelid als Spiegel des reifen Leskowitz an Virtuosität erkannt und hat Maslyuk gedanklich und verbal in die Kategorie "Star am Kammermusikhimmel" erhoben.
Einen weiteren Auftritt wird der 37-jährige Russe am heutigen Samstag ab 21 Uhr haben, wenn es gemeinsam mit dem Kinsky-Trio, Mitgliedern der Salzburger Solisten, den Ensembles "Zabawa" und "Apriori" heute Abend um die "Nachtmusik" auf Schloss Berleburg geht, zweifelsfrei ein Bonbon der Musikfestwoche.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 10.07.2010
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


