Cooltour 2012
Stegreif-Komödiant Bernhard Hoëcker begeistert Publikum
Kleiner Mann, aber riesig schlagfertig
Bad Berleburg. (lpd) Comedian Bernhard Hoëcker hat seinem Publikum am Sonntag im Bad Berleburger Bürgerhaus viel Privates und Komisches entlockt und seinen eigenen Wissens-Horizont um Wittgenstein erweitert. Er weiß jetzt, dass es Rinthe gibt, wie groß Arfeld sein muss, und was Otto Marburger in seinem Keller hortet.
Mit seinem dritten Soloprogramm "Wikihoëcker" nimmt der Bonner Stegreif-Komödiant sich selbst und diejenigen aufs Korn, die auf das Internet und sein weltweit waberndes Wissen vertrauen.
Pointen-Stakkato
Hoëcker schmunzelt über die medizinisch nicht haltbare "Entschlackung" des Köpers durch Ayurveda, nimmt die Freunde der Homöopathie auf die Schüppe, erklärt seine Lieblings-Freizeitbeschäftigung Geocaching, wettert über Hundeschulen, frotzelt als Heavy Metal-Fan über Reinhard Mey und das alles in einem Pointen-Stakkato, das dem Publikum kaum Zeit lässt, zwischen den Lachern Luft zu holen.
Doch seine stärksten Momente hat der kleine Mann mit der riesigen Schlagfertigkeit, wenn er mit dem Publikum spielt: Als sich auf die Frage, ob denn jemand am Sonntag gearbeitet hat, Konditor Andreas Wahl meldet, stellt Hoëcker pfeilschnell fest, dass das Café an der Poststraße wohl so heißt, weil die Kunden dort die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten haben.
Einem Mann aus Arfeld stellt er die Frage, ob denn sein Dorf im Namen schon gleich die Größenangabe Ar mitliefert. Hart wird es für eine junge Frau aus Rinthe. "Das ist das kleinste Kaff, das ich bei meiner Show je kennengelernt habe", schmunzelt Hoëcker über die Einwohnerzahl von 135, die er sich live auf der Bühne durch Wikipedia bestätigen lässt.
Als der Comedian wissen will, was in den Kellern seiner Zuhörer schlummert, beichtete Otto Marburger, dass er nur Wein und abgelaufene Konserven in seinem Keller hortet. Das kommentiert Hoëcker mit der Vermutung: Wenn sie in Hunderten Jahren diesen Keller ausgraben, rufen sie "Ey, wir haben Schwarzenau gefunden und schütten das Loch wieder zu".
Chemie stimmte
Bei aller Scharfzüngigkeit, muss sich niemand im Saal verspottet fühlen. Vielmehr ist dem Improvisationstalent anzusehen, dass er sich auf der Bad Berleburger Bühne wohlfühlt. Die Chemie zwischen dem Rheinländer und den Wittgensteinern stimmt und macht den unterhaltsamen Dialog erst möglich. Deshalb glaubt man ihm jedes seiner Dankesworte, die Hoëcker an Publikum und Veranstalter richtete. Am Ende sind die fast drei Stunden mit bester Unterhaltung wie im Flug vergangen und sowohl Publikum und der Künstler selbst hoffen auf ein Wiedersehen.
Von Lars-Peter Dickel
WESTFALENPOST vom 24.01.2012
Bildquelle: WP-Foto von Lars-Peter Dickel (lpd)


