Sinfoniekonzert
Frühlingskonzert der Philharmonie Südwestfalen
mit dem "ATOS Trio" im Berleburger Bürgerhaus
Bad Berleburg. (cw) Die Philharmonie Südwestfalen gehört seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des jährlichen Musikprogramms der Kulturgemeinde Bad Berleburg und ist kaum mehr mit ihrem hervorragenden bis außergewöhnlichen Repertoire aus Berleburg wegzudenken. Mit im Gepäck haben die internationalen Musiker dabei regelmäßig auch Künstlerensembles oder Solisten mit ganz spezieller Färbung und einzigartigem musikalischem Hintergrund.
Dirigent Kevin John Edusei, der erstmals im Berleburger Bürgerhaus die Bühne betrat, begrüßte nach der recht eigenwilligen orchestralen und kompositorischen Einleitung von "The unanswered question" des Amerikaners Charles Ives (1874 - 1954), das in Kammermusikkreisen hochgelobte und vielgepriesene "ATOS Trio". Wohlwollend, freudig und mit einer Prise Gelassenheit erschienen Annette von Hehn (Violine), Thomas Hoppe (Klavier) und Stefan Heinemeyer (Cello) vor den erwartungsfrohen, gespannten Zuschauern im recht manierlich besuchten Veranstaltungsraum.
Erstklassig, unüberhörbar Beethoven, und den interpretierten die Drei auch für den Laien mit dem "Tripelkonzert" in C-Dur, op. 56, in für sich dominanter Position. Sie spielten gegen die großen Philharmoniker an und stärkten mit Intuition, Konzentration und Einfühlungsvermögen ihren eigenen Solopart, wobei das Ineinander-Konzertieren in keinem Akkord und mit keiner Note zu kurz kam. Solo und Tutti harmonierten in Ausgewogenheit miteinander. Betont sei an dieser Stelle, dass sie mit diesem zweiten Stück des Abends, die leicht gewöhnungsbedürftigen Nachgeschmack der ersten musizierten Komposition mit klangvoller Ästhetik füllten. Keine Frage also, die im Vorfeld als "unanswered" im Raum stand und die nun mit den Musikern vom "ATOS Trio" als beantwortbar gilt. Sie haben ihre weltweiten Auszeichnungen, die ihnen seit ihrer Gründung 2003 zuteil wurden im kleinen Berleburg mit Nachdruck bestätigt. Junge Menschen, die auf internationalen Bühnen schon Zuhause sind, hochdekoriert mit Kammermusikpreisen strahlen können und dennoch zurückhaltend, ganz frei von Allüren, musikalische Freude vermitteln, sind gezählt. ATOS gehören dazu. Ihre "Tripel" - Klänge sind geradezu "gefährlich", ein positiv süchtigmachender Effekt steckt dahinter und nicht wenige im Saal hätten gern auch nach dem letzten verklungenen Akkord des "Rondo alle Polacca" in den Saal hinein die Zugabe mit der Wiederholung des Werkes gefordert.
Eine geplante Konzertreise des "ATOS Trios" nach Kentucky (USA) am folgenden Tag, machte es notwendig, den Programmpunkt drei an die zweite Stelle zu rücken. Somit wurde die Sinfonie Nr. 3 a-moll, op. 56, "Die Schottische", zum finalen Musikwerk des Abends. In vier Sätzen, die mit Andante con moto, Vivace non troppo, Adagio und Allegro vivacissimo von den Philharmonikern mit enormer Flexibilität, in Anbetracht der von Felix Mendelssohn-Bartholdy angedachten zu vermittelnden Stimmungen, interpretiert wurden, erzeugten sie einen hohen Begeisterungsgrad im Saal. Während einer Schottlandreise lies der Komponist in dieses Werk alle aufgenommenen Seelenstimmungen, die das Land in ihm erzeugte, hineinfließen. Sei es nun das burschikose Klarinettenthema einer Dudelsackmelodie ähnelnd oder der ernste gar kriegerische Hall, der die bizarre Landschaftsform spiegelt. Die Musiker mit Kevin John Edusei an ihrer Spitze ließen Fantasien fließen und Gemüter in Harmonie schwelgen. Der Schlussapplaus traf darüber eine sehr kräftige Aussage.
Von Christiane Weinhold
WESTFALENPOST vom 27.04.2010
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)



