Schlosskonzert

"Amaryllis-Quartett" durfte nur nach Zugabe
aus dem Schloss Berleburg

Sympathische Blume begeistert Publikum

Sympathisch und sehr vielversprechend rief das 'Amaryllis-Quartett' auf Schloss Berleburg bei den Kammermusikfreunden eine Begeisterungswelle hervor. (WP-Foto: Christiane Weinhold)

Bad Berleburg. (cw) Die Amaryllis wird von Pflanzenkundlern und Biologen als ein sehr ausdauerndes Gewächs bezeichnet, das erst nach der eigenen Blütezeit neue Blätter zu bilden vermag. Ihren Namen hat die Blume einer Schäferin in einem der zehn Hirtengedichte Vergils zu verdanken.

Wie nun das deutsch-schweizerische "Amaryllis-Quartett" zu seinem Namen kam, sei dahingestellt. Fakt ist, es sind vier blutjunge Musiker, die ausdauernd, präzise und souverän vor ihr Publikum treten und im Verlaufe ihres Spiels eine herausragende Blüte erreichen.

Das Foyer auf Schloss Berleburg bot für diese Eigenschaften der vier Streicher Gustav Frielinghaus (Violine), Lena Wirth (Violine), Lena Eckels (Viola) und Yves Sandoz (Violoncello) schmuckes Ambiente und guten Klangraum. Ihr großes Anliegen ist die Wiederentdeckung fast vergessener oder gänzlich unbekannter Werke und ihrer Komponisten.

Im gut besuchten Schloss waren schon im Vorfeld die Erwartungen auf die international ausgezeichneten Künstler groß. Diese wurden dann bei weitem übertroffen. "Amaryllis" liegt es reichlich fern, einfach zu musizieren, ihre Bögen über die Saiten zu bewegen - sie zelebrieren jedes einzelne ihrer ausgewählten Stücke mit Grandessa. Die besondere Verehrung Joseph Haydns, Ludwig van Beethovens und des weniger bekannten Bartok-Schülers Géza Frid (1904 - 1989) gab dem Abendprogramm eine spezielle blumige Note. Gustav Frielinghaus sprach sozusagen als Vorwarnung der ungewöhnlichen Frid -Kompositionen von Nicht-Alltäglichem und zitierte Zuhörer vergangener Konzerte mit: "Das hätte ich mir daheim nicht angehört!"

Doch die Reaktionen in Berleburg auf die Fantasia tropica, einer Tagesablauf-Vertonung im Regenwald, war äußerst erfreulich. Zuhörer sahen sich am Amazonas wieder, verschiedenes Getier beobachtend und die arttypischen Laute als reine Natur aufnehmend. Stellenweise, neben 12-Ton-Varianten, erklang Melodisches und ein winziger Hauch von Rimsky-Korsakovs "Hummelflug" lag in der Luft. Das Publikum hat Frids Inspirationen von Duft und natürlichen Geräuschen durchaus wohlwollend aufgenommen.

"Amaryllis" arbeiten sehr individuell, keine Musik von der Stange. Die von ihnen angedachte Einmaligkeit hat sich seit ihrer Gründung mannigfach bewährt. Es werden stattliche Preise internationaler Wettbewerbe jährlich aufgezählt. Was mit der Ausbildung bei Walter Levin in Basel begann, wird derzeit bei Studien mit Günter Pichler intensiv in Madrid fortgesetzt.

Die Internationalität und Flexibilität auf dem Musikerparkett ist deutlich spürbar. Mit schwebender Leichtigkeit widmeten sich die Vier auch den großen Weltmännern Haydn - von ihm erklang das Streichquartett g-moll, op. 74/3 - und Beethoven, der das Streichquartett e-moll, op 59/2 als großes Werk der Quartette seiner Nachwelt hinterließ.

Sympathie und Natürlichkeit macht die jungen Menschen aus, fernab von Allüren bewegen sie sich auf eine vielversprechende Karriere zu und die werden sie haben, weil die Kommunikation im Quartett stimmt und die Harmonie auf das Publikum überspringt.

In der Vergangenheit geschah es weniger häufig, dass Applaus nicht abebben wollte. Zum Abschluss des "Amaryllis"-Abends wurde er kontinuierlich lauter und rief eine pfiffige Zugabe auf den Plan.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 14.02.2011
Bildquelle: WP-Foto von Christiane Weinhold (cw)


  Stadt Bad Berleburg
  Kreis Siegen-Wittgenstein