Cooltour 2010

Stefan Ey stellt sein Ein-Mann-Stück "In 80 Tagen um die Welt" mit Marco Pickart Álvaro in der Schlossschänke vor

"In 80 Tagen um die Welt" in einer eigenwilligen Version

In elf Rollen innerhalb von 50 Minuten zu schlüpfen, kommt einer körperlichen und geistigen Meisterleistung nahe. Marco Pickart Álvaro hat es geschafft Phileas Fogg, Passepartout, Mr. Fix und einer

Bad Berleburg. (cw) Beruf: Geschichtenerzähler. Schwäche, zu der er unumwunden steht: Legasthenie. Stefan Ey, Theaterautor der Burghof-Bühne Dinslaken steht zu allem was ihn ausmacht, seine Vorliebe
für Schokolade und Kakao, seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen und seine Sicht aufs Imaginäre.

Bereits als kleiner Junge hat er Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" zigfach gelesen, ja verschlungen. Die Passion für die Literatur hat er dann zum Beruf gemacht und dabei vor gut vier Jahren Wundervolles geschaffen und ist dabei authentisch geblieben.

Es entstand seine Version des Jules Verne-Romans. Verpackt in ein bewegungsreiches Ein-Mann-Stück hat Stefan Ey jetzt die Menschen in der Berleburger "Schlossschänke" zum Nachdenken gebracht, hat ihnen ein Kichern entlockt und sie hinterher mit einem Schmunzeln im Gesicht nach Hause geschickt.

Absicht des Autors ist nicht Kunst zu machen, sondern seine Geschichten zu erzählen und dabei für den Einzelnen einen sinnigen Griff in die eigene Kindheit zu tun. Doch das Eine schließt das Andere nicht aus. Was Stefan Eys Darsteller Marco Pickart Álvaro in elf verschiedenen Rollen und auf seiner Reise von England, Italien, über den Orient nach Indien, bis hin nach China, Japan und Amerika erlebt und erleben lässt, ist schon Prachtvolles. Eine körperliche, talentreiche Meisterleistung vollbringt er in seiner nahezu 30. Aufführung.

In elf Rollen innerhalb von 50 Minuten zu schlüpfen, kommt einer körperlichen und geistigen Meisterleistung nahe. Marco Pickart Álvaro hat es geschafft Phileas Fogg, Passepartout, Mr. Fix und einer

30 Mal bereits hat Marco Álvaro Phileas Fogg verkörpert. Ein durch Akribie sich auszeichnender, manchmal auch sein Umfeld nervender britischer Gentleman. Foggs Tagesablauf ist immer wieder identisch mit dem des Vortages, für die Erfüllung dieser Akribie benötigt er einen Diener. Kein geringerer als Passepartout kommt hierfür in Frage. Der junge Rumtreiber träumt von einem ruhigen Job, der ihm mit seinem Arbeitgeber ganz und gar nicht beschieden ist.

In einem Pub wird unter den Gästen zwischen Phileas Fogg und dem anwesenden Mr. Fix eine Wette abgeschlossen, in 80 Tagen um die Welt reisen zu können. Heute kein Problem, das bekommt jeder mit Hilfe der rasanten Technik sogar innerhalb von 24 Stunden hin. Doch 1872 ein Unterfangen, für das man die Welt schon aus den Angeln heben musste.

Marco Álvaro schlüpft in seine vier Hauptrollen, wechselt sie mit ungeheurer Geschwindigkeit als zöge er lediglich ein paar andere Schuhe an, kaum merklich ändert sich sein Tonfall und die Stimmführung vom speichelleckenden Passepartout, bis hin zum Erbsenzähler Fogg, anmutig präsentiert er eine brahmanische Prinzessin und den die Reise als Spitzel begleitenden Mr. Fix.

So manche Seitenhiebe in Richtung aktuell literarischer, politischer und öffentlicher Personen werden da offenbar. Da war doch unschwer Marcel Reich-Ranicki zu erkennen, der in lispelnder Manier und lautstark seiner schlechten Laune in Form von Mr. Fix seinen Lauf ließ. Ein Artist ist Álvaro sicher nicht, Akrobatik hat er dennoch vollführt und seine Körperbeherrschung ist brillant. Ein imaginärer Elefant, durch einen großen Reisekoffer dargestellt, ist für ihn Kletterobjekt, wie wild tanzt er in seinem Bühnenbereich hin und her, rast wie durchgedreht und wird den sieben Nebenrollen mit Grimassenreichtum, Verbiegen der Wirbelsäule und Stimmvolumen einer startenden Concorde gerecht. Wäre da nicht dieser Kleiderbügel gewesen, der ihn zum Schluss des Stückes zu Fall brachte, und ihn schmerzhaft verletzte, Marco Álvaro hätte den Ausklang und den kräftigen Applaus ungehindert genießen können.

Von Christiane Weinhold

WESTFALENPOST

WESTFALENPOST vom 17.11.2010
Bildquelle: WP-Fotos (2) von Christiane Weinhold (cw)


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